Der Historische Schuß im Hanix-Magazin No.40

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Eine idyllische Szene – der Heilbronner Wochenmarkt im Sommer / Herbst 1938.

Es wurde eingekauft, man traf Bekannte, tauschte bei einem Schwätzchen Neuigkeiten aus.

Ob Hermine Rosenthal hier auch noch hinging? Oder wollte sie es vermeiden, übersehen, ignoriert, ausgegrenzt zu werden – sie, die »typische« Heilbronner Hausfrau, Ehefrau eines (einst) angesehenen Heilbronner Kaufmanns, der in der Götzenturmstraße einen alteingesessenen Weinhandel betrieben hatte? Oder ließen die Sorgen um die Zukunft der beiden Kinder, die schon im Ausland waren, und um das eigene Schicksal keinen Platz für solche Gedanken? Sollten sie und Ehemann Ludwig ihre Heimatstadt Heilbronn tatsächlich ebenfalls verlassen? Und wohin sollten sie gehen, wo gab es ein Land, das noch jüdische Flüchtlinge aufnahm und ihnen, den beiden um die 50-Jährigen, die Chance auf eine zweite Zukunft gab? Den Heilbronner Wochenmarkt durften Juden ab dem 9. Juli 1941 nicht mehr betreten (und das war noch eine der »kleineren« Schikanen), ab September 1941 mussten sie einen »Judenstern« tragen. Es war kaum noch möglich, aus Deutschland zu fliehen und ebenso schier unmöglich, ein Aufnahmeland zu finden. Am 26. November 1941 begannen in Heilbronn die Deportationen – die Erste ging nach Riga in den sicheren Tod. Da hatten nicht nur Tochter Liesel und Sohn Helmut, sondern auch Hermine und Ludwig Rosenthal Heilbronn bereits verlassen und sie waren dabei – jedes Familienmitglied auf seine Weise – sich eine neue Heimat aufzubauen. Die Geschichte der Heilbronner Familie Rosenthal erzählt die neueste Veröffentlichung von Joachim Schlör »Liesel, it’s time for you to leave«, die Ende Januar 2016 beim Stadtarchiv Heilbronn erscheint.

Das Stadtarchiv lieferte auch den Text und das Foto für diesen Historischen Schuss.

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