Interkultureller Garten Heilbronn HANIX No.36

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Bunt und grün – der interkulturelle Garten HEILBRONNS

In vielen deutschen Städten erfreuen sich interkulturelle Gärten einer immer größeren Beliebtheit. Um Zugewanderten, Menschen mit Handicaps oder Flüchtlingen die Integration zu erleichtern und das Zusammensein mit der heimischen Bevölkerung zu fördern und Berührungsängste abzubauen, gibt es seit 2011 in Heilbronn den interkulturellen Garten in der Happelstraße. Wir haben den Hof, der ab dem Frühjahr wieder grün sein wird, besucht und sprachen mit den Beteiligten des Projekts »Zusammenwachsen – bunt und grün gemeinsam«.

Interkultureller Garten Heilbronn

Kalt ist es noch an diesem Samstag im Februar, als wir den Garten in der Südstadt bei Arkus besuchen. Die Arbeits-, Kultur- und Selbsthilfe gGmbH ist ein seit 1995 bestehender gemeinnütziger Qualifizierungs- und Selbsthilfeverband der Menschen, die Probleme im Alltag haben, unterstützt. Das Aufgabenfeld von Arkus umfasst das Vermitteln von arbeitssuchenden Menschen oder Wiedereinsteiger/innen auf dem Arbeitsmarkt, Hilfe für Alleinerziehende oder das Unterstützen von Menschen mit Behinderung. Zusätzlich kümmert sich Arkus um die Integration von Zuwanderern.

Aus diesem Grund wurde der Bürgerinitiative »Zusammenwachsen« die Möglichkeit gegeben, im Hof bei Arkus einen interkulturellen Garten anzulegen. Dort soll gemeinsam gegärtnert, geerntet und gefeiert werden. Getreu dem Motto »wer macht, der macht« ist jeder eingeladen den Garten zu besuchen, sich um die Pflanzen zu kümmern, oder einfach nur zu entspannen. Ziel ist, Heilbronn nach und nach durch Urban Gardening zu verschönern und ganz nebenbei noch das gemeinsame Zusammenleben zu fördern – durch ganz viel Spaß und selbstgezogenes Gemüse oder Obst. Mit den Worten »wir sind offen« lässt sich das Vorhaben und die Attitüde der Partizipierenden wohl am besten beschreiben – jeder ist willkommen!

Ein Projekt, die Stadt zu verschönern

Den Wunsch nach mehr Grün teilen zwar fast alle Bürger, die in einer Stadt leben, allerdings kann sich meistens kaum jemand etwas Konkretes darunter vorstellen. Deshalb kamen im September 2012 die Mitglieder der Bürgerinitiative »Mehr Grün im Südbahnhof« auf die Idee, ein Projekt auf die Beine zu stellen, um mehr Heilbronner für eine grünere Stadt zu gewinnen. 2013 begann das Projekt konkrete Formen anzunehmen und die Arbeit im Hof von Arkus konnte intensiv beginnen. Neben dem offensichtlichen Plan, eine Freifläche in der Stadt mit mehr Bepflanzung zu verschönern, hat das Projekt »Zusammenwachsen – bunt und grün gemeinsam« jedoch noch einen anderen Zweck. Den fasst Marita Trautner treffend zusammen: »Was nützt mehr Grün, wenn die Menschen fehlen?« Mehr Natur in der Stadt ist zwar schön und gut, doch was kann mit den entstanden Grünflächen oder Gärten dann eigentlich konkret unternommen werden? Schließlich soll der Garten lebendig sein. Die Antwort darauf lautet: Begegnung durch Urban Gardening.

Anstatt nämlich einfach wild drauflos zu Gärtnern, wollen die Teilnehmer aus dem Garten auch einen Ort schaffen, um Kontakte knüpfen zu können. Hier sollen sich alle Menschen, die Lust darauf haben, treffen und gemeinsam pflanzen, sähen, gießen und ernten. Der »harte Kern« der Mitglieder besteht aus 10–15 Personen, die sich alle mit Leidenschaft und ehrenamtlich um den Garten kümmern. Dabei ist das jüngste Mitglied gerade einmal vier Jahre, während das älteste 76 ist. Der Garten ist also ein Mehrgenerationenprojekt, das sich allerdings noch in einer Pilotphase befindet. Denn bevor der Garten in seinen angedachten Ort, das Areal des ehemaligen Südbahnhofs, verlegt werden kann, wird erst mal in großen Kübeln gepflanzt. Das hat allerdings auch Vorteile: »Durch das Mikroklima und die Wärme im Sommer hier im Hof wachsen unsere Tomaten und Paprika besonders gut« sagt Werner Talmon, ein Mitglied der Gruppe.

Durch die Bundesgartenschau 2019 erhoffen sich die Initiatoren und Helfer größere Aufmerksamkeit für ihr Projekt. Das Gartenprojekt soll eine Duftmarke setzen und als perfektes Zeichen für das, was man gemeinsam mit einem Garten erreichen kann, dienen. Denn wie der Name der Initiative schon zeigt, können in einem Garten nicht nur Pflanzen gemeinsam wachsen.

Gemeinsam wachsen durch helfende Hände

Selbstverständlich benötigt ein Garten neben fleißigen Händen, die die Kübel mit Erde befüllen oder während der Hochphase des Gartens im Sommer die Pflanzen und das Gemüse gießen auch Saatgut und Wasser. Deshalb schätzt sich die Gruppe glücklich, dass sie von der Gärtnerei Umbach, dem Friedrichshof und Walter Kress vom Haaghof in Hardthausen jede Menge Saatgut und Setzlinge gespendet bekommen haben. So können im Garten Tomaten, Kartoffeln oder Ringelkresse angebaut werden. Dankbar sind die Mitglieder auch dem Grünflächenamt der Stadt Heilbronn und Birgitt Wölbing von Arkus, die sofort Feuer und Flamme war, als sie von der Idee des Gartens hörte. So stellt Arkus nicht nur seinen Hof zur Verfügung, auch Wasser und Hausmeistertätigkeiten werden von dem gemeinnützigen Verband gestellt. »Ohne Arkus und die Stadt Heilbronn wäre das Projekt nie zu Stande gekommen« erklärt Arnold Weber, der das Projekt von Anfang an begleitet hat.

Weitere Unterstützung bekam die Gruppe aus Esslingen von finep, dem Forum für internationale Entwicklung und Planung. finep bot einen Workshop zum Thema Urban Gardening an und lieferte den Beteiligten so fachkundiges Wissen im Bereich des Gärtnerns. Im letzten Jahr wurde sogar eine Biologin, Wynja Roschinsky, engagiert, die die Initiative bei Aufbau und Koordination eines Netzwerks unterstützt. So binden die Mitglieder immer wieder andere Akteure wie Schulen mit ein. Um die Stelle weiter erhalten zu können, wurde jetzt ein Förderantrag an das Integrationsbüro gestellt.

Mit Spaß bei der Arbeit

Neben der durchaus anstrengenden Arbeit im Garten, sei es beim Erde schaufeln oder dem Ernten, bietet das Projekt aber auch Raum für Spaß und Entspannung. So war der Garten ein Teil des Südstadtfests; im Herbst wird Erntedank gefeiert. Im Garten finden regelmäßige Treffen statt, wobei gemeinsam diskutiert, geplant und reflektiert wird. Wichtig ist den Involvierten vor allem regelmäßiger Kontakt und Gemeinschaft. Marita und Severin Trautner freut an dem Projekt besonders, dass die beiden Jüngsten Helfer, Mio und Nora, ein Stück Natur in der Stadt entdecken können. Und Ulrich Riedel fügt lachend hinzu, dass die meisten Kinder heutzutage einen Garten nur noch aus Harry Potter kennen würden. Das Generationenprojekt verbindet also Jung und Alt durch das gemeinsame Arbeiten und Entspannen im Garten. Dennoch wünscht sich Severin »etwas mehr u-40« in dem Projekt. »Viele unserer jüngeren Helfer sind inzwischen durch Umzüge oder Auslandsaufenthalte nicht mehr dabei« fügt Susanne Schuff-Werner hinzu. Der Garten könnte also durchaus etwas mehr junges Gemüse vertragen. Am wichtigsten ist aber immer noch der Kontakt untereinander und das Gestalten eines entspannenden Stadtbilds. Denn was gibt es schöneres als nach einem stressigen Arbeitstag auf seine eigene grüne Insel mitten in der Stadt zum Auftanken kommen zu können: »Der Garten gibt mir einfach Energie und befreit«, summiert Arnold Weber glücklich. Und diese Energie soll dann hoffentlich weiter wachsen und Heilbronn und seinen Bürgern das geben, was die Initiatoren schon lange durch ihr kleines Idyll am eigenen Leib erfahren.

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