Interview BuGa-Planer HANIX No.36

direkt zum HANIX-Magazin No.36

»Die HEILBRONNER BUGA ist ein wahnsinnig vielschichtiges Projekt«

Auf dem ehemaligen Fruchtschuppenareal entsteht gerade der größte Garten der Stadt, wenn nicht gar des ganzen Landes. Wir sprachen mit den beiden Landschafts- und Freiraumplanern, Oliver Toellner von der BUGA2019 GmbH und Bernhard Schwarz vom Projektbüro sinai, über deren Faszination, solch einen Mamutgarten – und dadurch gleichzeitig ein Stück Zukunftsstadt – zu planen.

Oliver Toellner und Bernhard Schwarz, BuGa 2019

HANIX: Herr Schwarz, Herr Toellner, Sie planen für die BUGA 2019 einen Garten im großen Stil. Wie sieht es im Gegensatz dazu bei Ihnen privat aus? Haben Sie einen Garten? Und wenn ja: selbst geplant und umgesetzt oder übernommen, wie er war?

Oliver Toellner: Mein Garten besteht aus einem »Stückle« und einer Baumwiese zum Obst ernten. Geplant war der Garten weniger, ich habe ihn übernommen und er ist historisch gewachsen. Mein Garten ist ein Rückzugsort für mich, um die Natur auf mich wirken zu lassen.

Bernhard Schwarz: Mein Garten bei Berlin ist zweigeteilt. Ein Teil ist für das »Gärtnerische«, also zum Blumen, Obst und Gemüse anpflanzen, während der andere Teil aus einer großen Wiese mit ein paar Obstbäumen besteht. So, dass es immer Spaß macht, ein bisschen etwas zu tun, allerdings darf die Gartenarbeit einen nicht auffressen. Er ist ein Ort der Kontemplation, zum Abhängen und Chillen.

HANIX: Beschreiben Sie in kurzen Worten für uns, was genau Ihre Aufgaben für die BUGA 2019 sind.

Oliver Toellner: Gerade sitzen wir beide an derselben Seite des Tischs, aber während unserer Arbeit sitzen wir uns eher gegenüber. Als Landschaftsarchitekt vertrete ich die Bauherrenschaft der Bundesgartenschau GmbH. Ich leite die Abteilung Planung und Ausstellungskonzeption seit über fünf Jahren und begleite fachlich die beauftragten Planer bei Bau und Planung der öffentlichen Daueranlagen und der Gartenausstellung.

Bernhard Schwarz: Wir haben mit unserem Büro sinai den freiraumplanerischen Wettbewerb der Buga GmbH zur Gestaltung der neuen Uferlandschaften und Parklandschaften im Neckarbogen gewonnen. Jetzt beraten wir unseren Bauherren bei allen freiraumplanerischen Themen. Das besteht aus zwei Ebenen: zum einen der Bau der dauerhaften Parkanlagen, zum anderen der Bau der BUGA 2019, bei dem es mehr um die temporäre Ausstellung 2019 geht. Priorität hat aber immer das Nachhaltige; und wir versuchen, beide Ebenen klug miteinander zu verbinden. Besonders für uns beide ist außerdem, dass wir hier sehr stark in ein städtebauliches Gesamtprojekt eingebunden sind, weshalb wir nicht »nur« als Freiraumplaner, sondern Stadtentwicklungsplaner arbeiten. Das macht die Aufgabe so besonders, da wir in einem breiten Feld agieren können. Es geht immer um die Gestaltung des gesamten Stadtraums.

HANIX: Unterscheidet sich die BUGA hier in Heilbronn dann von anderen Gartenschauen im Hinblick auf die stadtplanerischen Charakteristiken?

Bernhard Schwarz: Jede BUGA hat ein anderes, ein spezifisches Thema; aber dass die Buga so explizit in der Mitte der Stadt als Teil des Modellquartiers Neckarbogen geplant ist, ist schon etwas Besonderes und macht Heilbronn einzigartig.

Oliver Toellner: Die Besonderheiten des Projekts sind schon eine spezifische Herausforderung.

HANIX: Und ist diese spezifische Herausforderung eine größere als bei »gewöhnlichen« Gartenschauen?

Bernhard Schwarz: Das Projekt ist spezifisch, aber nicht schwerer oder leichter als andere Projekte. Die Besonderheit ist, dass wir keine sehr kompakte Fläche haben, sondern uns entlang der Uferlinie erstrecken. Dadurch haben wir eine sehr große Kontaktfläche zur Stadt, was die hohe Komplexität des Projekts ausmacht. Jeder Kontakt zur Stadt bedeutet auch Auseinandersetzung mit ihr. Die Stadt ist hier ein Nachbar für uns, der Rechte, Bedürfnisse und Befindlichkeiten hat. Es ist damit ein wahnsinnig vielschichtiges Projekt.

HANIX: Was fasziniert Sie im Allgemeinen an Freiraumplanung und wo erlangen Sie ihre Inspiration?

Bernhard Schwarz: Faszinierend für uns ist immer die Mitwirkung an der Herstellung nutzbarer Räume im Sinne von Stadtlandschaften. Uns geht es darum, das Besondere der Orte zu erspüren. Dieses Besondere findet sich hier im Heilbronner Projekt, vor allem im Thema »Orte am Fluss, Stadt am Wasser«. Das Spannende am Planen in Städten ist das politische Planen, weil es um Flächenkonkurrenzen geht: Durch geschicktes Planen, ein Miteinander und Überlagern entwickeln wir so ein Stadt-Raum-Gefüge, das einen hohen sozialen Interaktionswert hat. Dieses Gefüge dient der Stadtgesellschaft als Bühne.

Oliver Toellner: Mich fasziniert die Ressource freier Raum in einer Stadt, gerade im Zusammenhang mit der starken Zuwanderung in die Stadt. Hier ist es wichtig, dass die Ressource freier Raum gesichert wird, um sie den Menschen die hier Leben zu Verfügung zu stellen.

Bernhard Schwarz: Durch die historischen Nutzungsformen in der Stadt ist Heilbronn in verschiedene Bereiche zerfallen. Und die BUGA hat den Ansatz, diese Fragmentierung in Teilen wieder aufzuheben.

Oliver Toellner: Die BUGA soll nicht nur einzelne Teile der Stadt wieder zusammenfügen, sondern auch ihre Menschen. Eine Integrationsleistung in die Stadtgesellschaft ist hier also gefordert.

Bernhard Schwarz: Hauptsache, auf den geschaffenen Flächen ist später etwas los und es ist nach der BUGA lebendig. Sobald man eine geile Location oder einen guten Raum schafft, passiert dort fast automatisch etwas.

HANIX: Das Fruchtschuppenareal, auf dem die BUGA stattfinden wird, haben Sie sicherlich erstmals gesehen, als dort noch Schrotthändler und Getränkemärkte angesiedelt waren. Sind bei Ihrem ersten Besichtigungstermin schon Park- und Gartenlandschaften vor Ihrem geistigen Auge aufgepoppt oder setzt das erst später ein?

Bernhard Schwarz: Wir mussten nicht jungfräulich an dieses Projekt herangehen. Der BUGA war ein städtebaulicher Ideenwettbewerb zum Masterplan vorangegangen. Dieser Plan hat eine Grundordnung für das Gelände erdacht und festgeschrieben, nämlich was der Neckarbogen »leisten« soll. Dem nachgeordnet war der Plan zur Freiraumentwicklung. In unseren Köpfen hatten wir es nicht mit einer leeren Fläche, sondern mit einem Leitbild zu tun.

Oliver Toellner: Als ich vor dem Wettbewerb bei der Stadt Heilbronn angefangen habe, gab es wirklich nur die alten Schuppen in einer Industrielandschaft. Da entstehen natürlich erste Bilder, aber wenn man ein Projekt über einen so langen Zeitraum begleitet, dann muss man oftmals näher hinschauen und die Bilder verändern sich. Es gab einen städtebaulichen Rahmenplan vom Büro Steidle, dann hat sinai den BUGA-Wettbewerb gewonnen und so mussten wir uns mit einem weiteren Planer auseinandersetzen. Viele Bilder entwickeln sich erst im zweiten oder dritten Schritt. Deshalb war uns beispielsweise auch die frühzeitige Freilegung des Neckarufers – also ein freier Blick auf den Neckar – wichtig, denn selbst erfahrene Planer brauchen eine richtige Sicht auf die Potentiale der Flusslandschaft.

Bernhard Schwarz: Dennoch muss es gerade bei so einem großen Projekt Leitmotive und ein paar Grundsatzentscheidungen geben. Planung muss flexibel sein, ohne die einmal festgelegten Grundziele in Frage zu stellen.

HANIX: Worin liegen für Ihr Arbeiten die größten Herausforderungen bei der Umsetzung einer Gartenschau oder Freiraumplanung? Sind diese auf dem tatsächlich zu bearbeitenden und umzugestaltenden Gelände, sprich auf der Baustelle, zu finden oder doch am eigenen und an fremden Schreibtischen und Konferenztischen?

Oliver Toellner: Beide Bereiche haben ganz eigene Herausforderungen, deshalb haben wir auch unterschiedliche Abteilungen. Solchen Projekten geht eine sehr lange Planungs- und Diskussionsphase voraus. Das Bauen an sich geht oftmals sehr schnell, es ist die Koordinierung und Planung, die die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Dann kann sich vermeintlich harmloser Schrott zu einem riesigen Aufwand entwickeln, wie zuletzt, als wir bei Erdarbeiten auf alte Gasflaschen gestoßen sind, die einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften zur Folge hatten.

Bernhard Schwarz: Der Energieaufwand, die Herausforderungen in den einzelnen Phasen – Planung, Diskussion und Bau – sind gleich anstrengend.

Oliver Toellner: Die Arbeit wird aber unter sinai und den anderen Planungsbüros nach Maßgabe der Bundesgartenschau GmbH aufgeteilt.

HANIX: Welchen Anteil an Ihrer Arbeit müssen Sie aufbringen, um die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung zu überzeugen oder Sorgen und Ängste von Bürgern abzubauen?

Bernhard Schwarz: Einen enormen Teil. In der Regel sind wir alle zwei Wochen mit mehreren Leuten in Heilbronn. Die geringste Zeit benötigen wir, um uns, die Buga GmbH und sinai, aufeinander abzustimmen, da wir eine gemeinsame Grundfeste haben. Die restliche Zeit brauchen wir, um Stadt und Bürger mitzunehmen, Genehmigungen einzuholen, um zu überzeugen und, und, und. In Heilbronn haben wir einen Bauherrn, der planerisch, erfahrungsmäßig und intellektuell in der Lage ist, mit uns auf einer Ebene zu diskutieren. Ein Projekt wird nie allein so gut, wie es der Architekt allein plant. Das ist immer auch das Resultat aus der Zusammenarbeit mit dem Bauherrn. Leider wird in anderen Projekten die Aufgabe des Bauherrn oftmals nicht als Qualitätsmerkmal, sondern nur als Organisationsmerkmal verstanden.

Oliver Toellner: Wenn man den fachlichen Diskurs abkürzen kann, da man auf Augenhöhe eine gemeinsame Haltung entwickelt hat, kann man sich mehr auf die Bedürfnisse der Stadtgesellschaft konzentrieren. Auf diesem Gebiet versuchen wir die Bürger immer zu informieren, damit es möglichst keine Missverständnisse gibt.

Bernhard Schwarz: Die BUGA ist das Leitprojekt der Stadt und eine Generationenaufgabe. Entsprechend gibt es eine große Erwartungshaltung in der Bevölkerung und eine gewisse Vorsicht. Man ist sich bewusst, dass die Stadt Investitionen in dieser Größenordnung in den nächsten 40 Jahren nur einmal tätigt. Das ist eine hohe Verantwortung und wir spüren, wie sorgsam die Stadt damit umgeht.

HANIX: Aktuell, Herr Schwarz, stößt Ihre Idee in Mannheim, wo 2023 die BUGA stattfinden wird, die Feudenheimer Au mit in die BUGA-Überlegungen einzubeziehen, auf viel Gegenwind. »Der Einbezug der Feudenheimer Au in die Planung war keineswegs der unreflektierte Alleingang eines freien Landschaftsarchitekten«, springt Ihnen der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) in Bonn, Jochen Sandner, bei. Können Sie sich in Mannheim noch sehen lassen oder haben Sie inzwischen Stadtverbot?

Bernhard Schwarz: Das Thema ist hochemotional, aber ich kann mich dort sehr gut sehen lassen. Ich darf auch weiter an dem Projekt und anderen Projekten in Mannheim mitarbeiten. (lacht) Ich glaube, dort ist eine vorher nicht erkennbare Empfindlichkeit getroffen worden, die sich medial sehr verstärkt und verselbstständigt hat. Das hat die Gespräche erschwert, aber ich glaube, dass es letztendlich auch in Mannheim gelungen ist und weiterhin gelingen wird, über die Beteiligung der Bevölkerung auf- und zu erklären. BUGA ist daher nicht nur ein Planungsprozess, sondern muss auch eine Abfolge von Ereignissen sein. Man muss frühzeitig erkenntlich machen, was man möchte und was die positiven Effekte sein werden. In Heilbronn haben wir beispielsweise für die neuen Uferlandschaften am Neckar aussagekräftige Bilder kreiert, damit sich die Leute von Anfang an vorstellen konnten, was hier dauerhaft passieren wird und welche Qualitäten entstehen werden. Das hat uns mitunter in der Kommunikation der Rodungsmaßnahmen ungemein unterstützt. Ähnlich wird es sich bestimmt in Mannheim entwickeln.

HANIX: Sie sind Partner und Gründer von sinai. Der Name sinai steht bildhaft für eine Landschaft des bewegten Denkens oder für eine Heimat des Nomadischen im Entwerfen. Das dürfen die Mannheimer nun auch erfahren …

Bernhard Schwarz: Die Mannheimer Aufgabe erforderte tatsächlich ein sehr »bewegtes Denken«, um gewohnte Sichtweisen aufzubrechen. (lacht) Wir sind uns schon bewusst, in welche Spannungsfelder wir uns begeben. Aber gerade durch diese Spannungsfelder entstehen Diskussionen, die wir benötigen. Planungserfolg lässt sich nicht einfach messen: Drückt er sich im Materiellen, im Gebauten oder in dem Dialog mit der Stadtgesellschaft und dem gegenseitigen Verstehen aus?

HANIX: Wo und zu welchem Teil setzen die Grenzen Ihrer planerischen Phantasie ein und welchen Anteil dürfen Sie von Ihrer Idealvorstellung umsetzen?

Bernhard Schwarz: Man muss immer sehen, woher man kommt. Hier in Heilbronn haben wir beispielsweise einen großen Wettbewerb gewonnen. Unsere Arbeit wurde von einer Experten-Jury ausgewählt, die unsere Planung lesen konnte und für gut befunden hat. Das war schon ein guter Filter für die Stadt und uns im Hinblick auf das, was machbar sein würde.

Oliver Toellner: Das hat auch etwas mit dem Vertrauen des Bauherrn bei der Planung zu tun. Wir sehen die Qualität des Büros, die Planung nicht nur übergeordnet, sondern auch im Detail zu beherrschen. So wollen wir das Projekt gemeinsam bis zur einzelnen Schraube bauen.

Bernhard Schwarz: Wenn wir diskutieren, dann zumeist nur noch auf der Objekt- und Detailebene und nicht mehr über die konzeptionellen Grundzüge.

HANIX: In Heilbronn kann man aktuell auch den Eindruck gewinnen, dass die Stadt etwas Angst vor der eigenen Courage bekommt, was sie denn da beschlossen hat. BUGA-Geschäftsführer Hanspeter Faas hat die Sorge, dass bei der Umsetzung des zukunftsträchtigen neu entstehenden Stadtquartiers nicht weit genug gesprungen wird. In der Stadt und auf Investorenseite werden Stimmen lauter, die das anvisierte Mobilitätskonzept infrage stellen. Für Sie sind solche Debatten wahrscheinlich »Business as usual«. Sicher ist es trotzdem nervig?

Oliver Toellner: Grundsatzdebatten sind Teil solcher Projekte. Wir sind sehr weit vorangeschritten, und wenn Dinge nochmal auf den Prüfstand gestellt werden, muss das auch immer in der Terminplanung abgebildet werden. Grundsätzlich machen mir solche Debatten keine Angst. Ich bin weiterhin der Meinung, dass die BUGA in terminlicher als auch qualitativer Hinsicht weiter springen muss.

Bernhard Schwarz: Mit dem Projekt Neckarbogen stellt sich die Stadt grundsätzliche Fragen, etwa, wie man die Zukunft in der Stadt gestalten will. Deshalb muss es eine breite Diskussion geben, die auch zur Sache geht, da geht es ans Eingemachte, z. B. beim Thema Verkehr. Deshalb verwundert sie auch nicht in ihrer Zeitlichkeit und Vehemenz. Bei dieser Dimension an Veränderung, die wir in der Stadt planen, darf sie uns auch gar nicht überraschen. Trotzdem strengt sie manchmal an. (lacht) Wir überlegen immer, wie wir die Diskussion fachlich klug führen können. Und es darf uns dabei nicht überraschen, dass wir auch einige Kompromisse eingehen müssen.

HANIX: In welchen Bereichen liegen Sie für die BUGA in Heilbronn im Soll und umgekehrt: wo gilt es besonders Gas zu geben, weil Sie dem Tableau hinterherhinken?

Bernhard Schwarz: Inhaltlich sind wir im Soll und das ist wichtig. Alle großen Dinge, die wir angehen wollten, haben wir auf den Weg gebracht. Terminlich würde ich mehr Tempo in der Hochbauentwicklung am Neckarbogen sehen wollen; das macht mir Sorge. Das Besondere dieser Gartenschau ist, dass sie schon ein Stück Modellstadt zeigen soll. Ein Stück Stadt als Kulisse, und das darf nicht zu wenig, zu klein sein.

Oliver Toellner: Vier Jahre vor dem wichtigen Meilenstein Gartenschau hat man den Terminplan permanent im Blickfeld und forciert Prozesse, um Termine auf Kurs zu halten. Deshalb sind wir in dieser Hinsicht viel unterwegs, hatten zum Beispiel eine Gemeinderatsklausur zu den planerischen Grundsätzen des Stadtquartiers Neckarbogen. Wir sind also intensiv im Diskurs und sind uns bewusst, dass 2015 ein entscheidendes Jahr wird. Die Dinge, die auf unserem Arbeitsplan stehen, werden uns in den nächsten Jahren schon enorm fordern.

HANIX: Herr Toellner, Sie haben gesagt, dass Sie auf einer ihrer beruflichen Stationen die gärtnerische Tradition, die Ortsbezogenheit und Beharrlichkeit, verinnerlicht haben. Was genau bedeutet das für Ihr Arbeiten und Planen von Gartenschauen oder städtischen Freiräumen, die lebenswerter und grüner gemacht werden sollen?

Oliver Toellner: Das Zitat war im Bezug auf meine Arbeit im Planungsbüro Luz in Stuttgart, einem Urgewächs aus der Stuttgarter Weingärtnertradition mit den »Fingern in der Erde«. Als gebürtiger Stuttgarter sehe ich mich als das Gegenstück zu meinen Berliner Planern, um ihnen die regionale Maßstäblichkeit aufzuzeigen. Ich glaube diese Regionalität und der passende Maßstab sind ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg des Projekts. Am Ende muss das Projekt Authentizität haben, schließlich findet die BUGA 2019 im Süden des Landes statt.

HANIX: Herr Schwarz, mussten Sie als Berliner hier etwas lernen und haben Sie sich auf die Begebenheiten im Ländle einstellen oder gar anpassen müssen? Musste Sie Herr Toellner diesbezüglich »einnorden«?

Bernhard Schwarz: (lacht) Ich glaube, die Qualität von Planungen lässt sich dadurch ausdrücken, wie weit man sich mit den vorgefundenen Begebenheiten vertraut macht und wie man sie liest und darauf hört. Damit meine ich das Hören auf die Menschen, die hier leben, aber auch das sinnbildliche Hören der Stadt oder der Landschaft. Hier geht es überhaupt nicht um Berlin oder Heilbronn, sondern um ein Grundverständnis von Planung. Eine gute Planung wird sich immer mit den Besonderheiten, mit Geschichte und Kultur des Ortes auseinandersetzen. Heilbronn ist geprägt durch den Wiederaufbau, der die alten »Spuren« der Stadt verdeckt hat. Die wollen wir wieder etwas freilegen.

HANIX: Die BUGA betont, wie wichtig der Austausch mit den Bürgern ist. Welche Impulse für die BUGA 2019 kamen aus der Heilbronner Bürgerschaft?

Oliver Toellner: Ja, es gab vielfältige Impulse und wir sind in regem Austausch. Was die ABX-Halle betrifft, sind wir schon auf einer konkreten Ebene. Im Januar beim Architekturgespräch vor Ort waren auch die Bürger dabei und haben mitdiskutiert. Ich hätte nicht gedacht, dass trotz der Minustemperaturen vor Ort ein so großes Interesse vorhanden war. Die Diskussion über die Brücke zwischen Hauptbahnhof und Neckarbogen wurde stark von der Bürgerschaft angestoßen. Und aufgrund des kontinuierlichen Bürgerdialogs werden auch mal Konzepte, die eigentlich schon von der Politik zurückgewiesen wurden, hinzugefügt.

HANIX: Die Beteiligung ist zufriedenstellend?

Oliver Toellner: Ja, und ich bin froh, dass wir mit der Infobox schon 2009 klare Verhältnisse schaffen und erste Schritte gemeinsam mit den Bürgern machen konnten. Man muss sich immer wieder fragen, wie man in den einzelnen Phasen des Projekts die Bürger erreicht. So sind wir beispielsweise bei der Ausstellungskonzeption selbst noch ganz am Anfang des Dialogs.

HANIX: Der Gemeinderat hat beantragte Mittel für den Ausbau der ABX-Halle verweigert. Wieso eigentlich? Sieht der Gemeinderat das Potenzial dieser Halle auf dem Fruchtschuppenareal nicht? Oder lag es ausschließlich an mangelnder Kommunikation zwischen diversen städtischen Ämtern, der BUGA GmbH und dem städtischen Parlament, das gerne früher mehr über die ABX-Halle und die sie betreffenden Pläne Bescheid gewusst hätte?

Oliver Toellner: Allein an diesem Beispiel sieht man, wie komplex Kommunikation ist. Wir waren an der Planungswerkstatt zur ABX-Halle beteiligt und haben hierbei in Bezug auf die Stadtgesellschaft eigentlich einen breit aufgestellten Diskurs unter Beteiligung der Verwaltungsspitze geführt. Der Gemeinderat wurde im Nachgang über Gremien informiert. Deshalb war es uns umso wichtiger, mit den Heilbronner Architekturgesprächen den Dialog fortzusetzen; es waren ja einige Gemeinderäte vertreten.

Bernhard Schwarz: Da schließt sich der Kreis wieder: Wenn eine BUGA in der Stadt ankommen will, dann braucht es diese Ereignisse. Die ABX-Halle ist ein sehr guter Ort, um die Geschichte der Transformation zu erzählen. Deshalb würden wir es ganz stark begrüßen, wenn da nochmal was geht. Die Halle ist der Kristallisationspunkt für die Veränderung des Fruchtschuppenareals. Um zu verdeutlichen, was Stadttransformation bedeuten kann und wie sie wirkt, wäre der Ausbau der Halle genial; das ist für die Jugend, für kulturelle und gärtnerische Möglichkeiten perfekt. Die Halle ist so vielfältig, dass man daran hätte deutlich machen können, was BUGA eigentlich für diese Stadt bedeuten soll.

Oliver Toellner: Das Signal, das von den Architekturgesprächen ausging, war sehr deutlich. Allerdings muss der Gemeinderat die Dinge auch immer hinterfragen. Aber es stehen neue Maßnahmen an, beispielsweise muss ein Teil der Halle für die neue Brücke rückgebaut werden. Deshalb sind wir momentan am Planen, ob man da nicht in diesem Jahr eine Veränderung als Ereignis zeigen kann.

HANIX: Kommen wir abschließend zurück zu Ihren privaten Gärten. Welches Heimgärtner-Projekt gehen Sie als Nächstes an?

Oliver Toellner: Was meinen Schrebergarten betrifft, will ich dieses Jahr Gemüse anbauen und habe mir vorgenommen, meinen Schreibtisch unter dem Dachfenster leerzuräumen, um Platz für die ersten Tomatenpflanzen zu schaffen.

Bernhard Schwarz: Im Garten selbst gibt es nicht mehr so viel zu tun, sondern es geht darum, ihn ganzjährlich erlebbar zu machen. Deshalb suche ich gerade noch nach einem Platz, wo ich ein großes Fenster für den Blick in meinen Garten einsetzen kann. Dort will ich meinen Schreibtisch hinstellen, sodass ich auch von dort aus zu allen Jahreszeiten und Wetterlagen aufs Engste mit meinem Garten verbunden bin.

Facebook Posts

This message is only visible to admins.

Problem displaying Facebook posts.
Click to show error

Error: Server configuration issue