Simson, Schwalbe und Co. HANIX-Magazin No.37

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»SIMSON Schwalbe & Co.« Die Kultmotorroller aus der DDR

Ostalgie im Kraichgau: Bis zum 10. Januar 2016 zeigt das Auto- & Technik-Museum Sinsheim eine Sonderausstellung zu den Kult-Motorrädern des DDR-Zweiradherstellers Simson. Wir haben das Museum besucht.

Sobald man Halle 2 des Auto- & Technik-Museums betritt, springt einem sofort ein großer Holzkäfig ins Auge, daran angebracht ein rotes Warnschild: »Erster ›Simson-Vogel‹ Bitte nicht füttern!« Vögel in einem Technik-Museum? Ganz richtig, denn im Käfig steht das erste Modell der sogenannten Vogelreihe aus dem Hause des Motorradherstellers Simson, die Schwalbe. Seit Januar diesen Jahres läuft die Sonderausstellung »SIMSON Schwalbe & Co. – von AWO bis zur SIMSON 125« in Sinsheim. Über 50 originale und originelle Umbauten des kultigen Rollers wurden hierfür mit Unterstützung des Fahrzeugmuseums Suhl und der MZA GmbH in den Kraichgau verfrachtet, um sie den Besuchern des Auto- & Technik-Museums zu präsentieren.

Simson, Schwalbe und Co. im HANIX-Magazin

Die Firma Simson wurde im Jahre 1856 von den gleichnamigen Brüdern Löb und Moses im thüringischen Suhl gegründet und spezialisierte sich auf die Herstellung von Waffen. Ab 1896 wurden jedoch auch Fahrräder ins Sortiment des Unternehmens aufgenommen und schnell entwickelte sich der Betrieb zu einem der größten Fahrradhersteller Deutschlands. 1911 wurde der erste Kleinwagen Simson A produziert, der sich aufgrund seiner geringen Motorleistung jedoch schlecht verkaufte. Auf diesen Erfahrungen aufbauend wurde nach dem Ersten Weltkrieg die Serienproduktion von Luxuswägen gestartet; darunter auch der Simson Supra, der Erfolge im Rennsport nachweisen konnte.

1935 wurden die Besitzer des Unternehmens von den Nazis enteignet, während des Kriegs produzierte die Firma weiterhin Waffen. Nach Kriegsende wurde das Werk größtenteils demontiert und seine Maschinen gingen als Reparationen an die Sowjetunion. Auch die meisten Produktionsgüter (Kinderwägen, Fahrräder und Jagdwaffen) wurden an die UDSSR geliefert. 1947 wurde der Betrieb in die sowjetische Aktiengesellschaft AWO eingegliedert und erhielt kurz darauf den Befehl, ein 250-cm-Moped, die spätere AWO 425, zu bauen. Von 1950 bis 1961 liefen bereits 210 000 Stück vom Band, weshalb die Fahrradproduktion eingestellt wurde. Im Jahre 1964 schließlich begann der Siegeszug der Simson-Vogelreihe mit den Modellen Schwalbe, Spatz, Star, Sperber und Habicht.

Die Schwalbe bot 3,4 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h dank ihres neuentwickelten und selbstproduzierten 50m3-Zweitaktmotors. Auch Platz für zwei Personen war auf dem robusten Vogel. Bis 1986 liefen sage und schreibe fünf Millionen Modelle vom Band, von denen heute noch circa 500 000 auf den Straßen unterwegs sind. Zur Wende schrumpfte die Nachfrage nach den Zweirädern schlagartig, da PKW nun leichter zu bekommen waren. Dies führte zum Niedergang des Unternehmens, dessen Rest- und Lagerbestände 2003 schließlich von der Meyer Zweiradtechnik Ahnatal GmbH (MZA) aufgekauft wurden.

Dennoch erfreuen sich die Motorräder auch heute noch einer großen Beliebtheit unter Szenekennern. Die Mopeds haben eine Fangemeinde, die die Vögel restauriert, umbaut und instand hält. In der Ausstellung sind einige Highlights dieser Umbauten und Spezialanfertigungen zu finden: ein handgefertigter Prototyp namens »Supra«, die Einzelanfertigung »ADSC« (Alternativer Deutscher Schwalben-Club, eine Persiflage auf den ADAC) oder ein Simson Mini-Bike für Kinder ab 10 Jahren (für den Mini-Bike-Sport). Ersatzteile sind leicht zu bekommen, die Zweiräder sind robust und zuverlässig. Und wer Schwalbe fährt, hat einen weiteren Vorteil: Aufgrund des Einigungsvertrags bei der Wiedervereinigung werden Simson-Roller als Mopeds eingestuft und dürfen 60 km/h anstatt der sonst erlaubten 45 km/h fahren. Somit benötigt man nur einen Führerschein der Klasse AM (also keinen Motorradführerschein) und ein Versicherungskennzeichen, um mit der »Vespa des Ostens« durch die Gegend zu düsen.

Für Fans der DDR-Kultmotorräder und Interessierte hat das Auto- & Technik-Museum Sinsheim jeden Tag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Zu weiteren Highlights der Ausstellung gehören einige imposante Umbauten, darunter eine Harley-Davidson-Schwalbe, ein Jägermeister-Modell und zahlreiche Simson-Spezialanfertigungen aus dem Rennsport. Die Sonderausstellung »SIMSON Schwalbe & Co. – von AWO bis zur SIMSON 125« ist Teil der gesamten Museumsausstellung und noch bis zum 10. Januar nächsten Jahres für 14 € zu sehen. Als besonderes Schmankerl findet für Fans alter DDR-Marken im Rahmen der Ausstellung am 13. Juni ein »Ostalgie«-Treffen unter dem Motto »Trabbi, Lada, Simson & Co.« statt.

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