Taschenkontrolle im Hanix-Magazin No.39

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Text: Maria Maroge,Fotos: Meli Dikta (www.blickboutique.de)

Dominic Schweizer hat sich gesucht und im Data gefunden

Beruf: ITler und Teilhaber der Data-Bar

Jahrgang: 1985

Berufung: Freigeist

Ein sozialisolierter Nerd oder schrulliger Antiheld wie aus der amerikanischen Serie The Big Bang Theory – so stellt man sich gelegentlich Computer-Spezialisten vor. Dominic Schweizer ist ITler. Doch weder menschenscheu, sonderlich noch stillos oder freaky. Der 30-Jährige weiß, was er will. »Sich selbst finden, ohne viel Zeit mit der Suche zu verschwenden.« Das bedeutet, entsprechend Entscheidungen zu treffen. Manchmal auch solche, die nicht konform gehen mir dem elterlichen Wunsch. Zum Beispiel seinen soliden Job einen Tag die Woche zu reduzieren, um Teilhaber einer subkulturellen Musikbar zu werden – ohne wirtschaftlichen Vorteil. So geschehen. Seit Juni führt Dominic gemeinsam mit Sibel Taylan das Data 77112 in der Heilbronner Schulgasse. Seine Partnerin Sibel startete vor über acht Jahren das unkonventionelle Barprojekt, geöffnet an nur drei Abenden von Donnerstag bis Samstag. »Hier wurde ich vom Gast zum Inhaber«, erklärt der Neugastronom, der noch zwei jüngere Geschwister hat. Er lebt heute in der Nordstadt Heilbronns. Nach seiner Schulzeit landete er über verschiedene Stationen in der EDV.

Wie passen also IT und alternative Kneipe zusammen? Wir suchen die Antwort über eine Taschenkontrolle. Zeig mir deinen Inhalt und ich sag dir, wer du bist! Dominic öffnet seine Gürteltasche: Smartphone, Ladegerät, Lego-USB-Stick, Zahnseidesticks, Allergietabletten, Kaugummi, Tabak, kleine Fotokamera, Schreibblock und Schlüsselbund. Pragmatisch. Praktisch. Unaufgeregt. Auf den ersten Blick. Schärft man seinen eigenen Fokus, fällt auf: Eine Fotokamera mit Film trotz Smartphone? »Ich liebe es, analog zu fotografieren, die Bilder entwickeln zu lassen und sie in Papierform zu archivieren.« Einmal den Auslöser gedrückt und darauf vertrauen, dass die Botschaft gelingen mag. Anschließend selektieren, bearbeiten oder löschen ist nicht. 

Und der Turnschuh an seinem Schlüsselanhänger? Der verrät eine seiner Leidenschaften. »Ich habe einen Schuhtick, ein Faible für Sneaker«, gesteht er gelassen und doch etwas verlegen. Ein Frauenlaster eigentlich. Er lacht. »Die meisten Frauen, die ich kenne, haben weniger Schuhe.« Er verrät, dass er knapp 70 Paar besitzt, viele bereits verkauft hat, um sich neue wieder anzueignen. Materiellen Bedürfnissen will er aber nicht zu viel Bedeutung beimessen. Gewisse Vorzüge genießen, aber nicht überbewerten. 

Ein zweiter Schlüsselanhänger hängt an seinem Bund, ein Medaillon. »Das habe ich von Sibel erbeutet, wegen der Bedeutung: Es geht dabei um die Legende von Troja und dass nicht alles ist, wie es scheint! Heute gibt es viel Schein!« 

Darum fühle er sich im Data wohl, sein Herz hänge daran. Diesen Ort bezeichnet er als anders, authentisch. »Hier darf man sein! Hier ist jeder willkommen!« Es ist zwanglos, wertefrei. Musiker dürfen sich einfach in den Kalender eintragen, wenn sie auftreten oder auflegen möchten. Musikrichtungen werden alle gespielt. Selbstbedienung an der Theke gilt hier. Die Karte ist an die Wand notiert. Neulich wurde ein Flohmarkt vor der Tür organisiert. Das fand Anklang und soll wiederholt werden. Es wird viel selbst gemacht, die Gäste tragen zum Ambiente bei, gestalten mit, zum Beispiel mit mitgebrachten Dingen von Blumen bis hin zur Markise. »Wir haben ein enges Verhältnis zu vielen unserer Gäste! Data ist einfach eine Leidenschaft. Es gibt uns viel zurück.« Er könne gut mit Menschen. Hier will er sein.

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