Abenteuer um die Ecke Hanix No.43

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Was kostet nicht viel, lässt sich innerhalb eines Tages in der Region erledigen und bringt im besten Fall auch noch Spaß? In jeder Ausgabe begeben wir uns auf die Suche nach ebensolchen Aktivitäten, die man in und um Heilbronn erleben kann. Ein Abenteuer um die Ecke eben. Von Friedemann Orths, Foto: Meli Dikta

In den wunderschönen Weinbergen oberhalb Weinsbergs liegt, versteckt in einem kleinen Waldstück, der Waldkletterpark Weinsberg. Ist man die wenigen Meter durch die Rebstöcke entlang der Winzerwege gefahren, muss man nur noch einen kleinen und steilen Fußweg überwinden, der direkt zum Park führt. Bei bestem Wetter erwarten uns, hoch oben zwischen den Baumwipfeln, die verschiedenen Parcours
des Parks. Die sind durch farbige Punkte in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade unterteilt und bieten ganz unterschiedliche Klettererlebnisse. Unser freundlicher Guide hilft uns in die Gurte, gibt uns eine kurze
Sicherheitseinweisung und schon gehts los auf den kleinen Trainingsparcour, der sich nur einen Meter über dem Boden befindet. Schließlich fängt jeder ja mal klein an. Doch Moment mal: Ist das nicht eigentlich gefährlich, so in einigen Metern Höhe durch halsbrecherisch anmutende Konstruktionen
zu kraxeln? Natürlich nicht – ein bombensicheres Einhaksystem verhindert, dass sich der unbedarfte Kletterer aus Versehen aus den Sicherheitsleinen aushaken kann. Jederzeit ist man durch zwei Karabinerhaken gesichert, von denen sich immer nur einer öffnen lässt. Dadurch habe ich mich, selbst in gut 13 Meter Höhe (die beim Hinunterschauen übrigens eher wie 23 Meter wirken), immer abgesichert gefühlt. Nachdem der erste Parcours gemeinsam mit unserem Trainer absolviert wurde und mit einer rasanten Fahrt an einer »Fox Line«, genannt Tarzanrolle, endet, werden wir in den Park entlassen. Jetzt kann man jeden der unterschiedlichen Kurse selbstständig absolvieren, falls man in Not geraten
sollte oder Fragen hat, ist jederzeit ein Trainer vor Ort. Sofort fällt mir eine auf dem Boden liegende Matte auf. Ein Blick nach oben offenbart eine Plattform, die ganz nach »Hinunterspringen« aussieht. Da muss ich hoch! Doch ganz so einfach wird es einem nicht gemacht auf dem Weg zum »Freefall«: Zuerst muss man sich entweder die 13 Meter an einem wackeligen, hängenden Holzbrett, das nur mit Klettersteinen bestückt ist, emporquälen, oder einen Umweg nehmen und den schwarzen, schwierigsten Kurs absolvieren. Da ich schon nach dem etwa fünfminütigen Einführungsparcour außer Atem war, muss ich wohl oder übel den schwarzen Kurs nehmen. Dieses Wackelbrett scheint eher was für Profis zu sein. Ich fühle mich als Amateur. Doch schon die erste Station auf »Schwarz« ist auch etwas für Profis: In scheinbar unüberwindbaren Abständenhängen Autoreifen über einer Kluft, die es zu überwinden gilt. Schon beim Treten auf den ersten Reifen fängt alles an zu schwingen und ich habe große Mühe, mich festzuhalten. Und plötzlich bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob es klappt, mal so eben schnell durch den Park zu
flitzen. Langsam und konzentriert muss man vorgehen, sonst hängt man schnell sprichwörtlich in den Seilen. Und hier liegt die größte Herausforderung bei einer Tour durch den Park: Körperlich ist fast alles relativ einfach zu schaffen, obwohl ich meine Arm- und Bauchmuskeln schon spüre. Die wahre Schwierigkeit besteht darin, das Hindernis zu analysieren und einen Weg zu finden, wie man am besten die andere Seite erreicht.

Das merke ich allerdings erst, als ich die Hälfte der Autoreifen-Reihe hinter mich gebracht habe und sich eine große Lücke vor mir auftut. Zum Glück bin ich hier auf keiner Expedition im Hochgebirge und kann mich einfach fallen lassen. So schummle ich mich bis zur nächsten Station
und denke dort schon zu Beginn über das Hindernis nach. Beim Klettern, Schwingen und Sich-vorsichtig-herantasten bemerkt man gar nicht, wie man immer höher in die Bäume vordringt. Die Konzentration liegt voll auf dem Parcour. Als ich eher zufällig einen Blick nach unten riskiere, realisiere ich erst, dass ich mich in schwindelerregender Höhe befinde. Jetzt befindet sich nur noch eine steile, leiterartige Konstruktion
zwischen mir und meinem Ziel, dem Freefall-Sprung aus 13 Metern Höhe. Als ich dann endlich auf der Plattform angekommen bin und einen ersten Blick nach unten wage, entfährt mir erst mal ein nicht druckfähiger Ausdruck. Das sollen nur 13 Meter sein? Mir kommen sie vor wie 30! Doch mir bleibt ja nur eines übrig: Der Weg nach unten ist zu anstrengend, einen Trainer um Hilfe beim Abseilen zu fragen kommt nicht infrage, da ja schließlich alles fotografisch dokumentiert wird. Also Augen zu und durch! Wissend, dass langes Zögern die Angst nur noch steigert, trete ich mir selbst in den Hintern und springe einfach. Und – was für ein geiles Gefühl! Etwa drei Meter befindet man sich im freien Fall, bis die Sicherheitsvorkehrung greift und man sanft auf den Boden gleitet. Der Moment, in dem man von der Plattform springt, ist unbeschreiblich.
Fazit:
Ein super Erlebnis! Der Waldkletterpark Weinsberg bietet eine große Auswahl an Parcours und richtig tolle Attraktionen; Teambuilding-Maßnahmen runden das Angebot ab. ◆

SCHWIERIGKEITSGRAD: mittel bis schwer
DAUER: 4 bis 6 Stunden
ORT:Ein Weg führt in der Nähe der Tankstelle an der Heilbronner Straße 51 in die Weinberge. Dort einfach der Beschilderung folgen.
AUSRÜSTUNG: Gutes Schuhwerk, die Kletterausrüstung ist im Preis enthalten.
KOSTEN: Erwachsene: 20 €,  14 – 17 Jahre: 17 €,   6 – 13 Jahre: 14 €
TIPP: Auf jeden Fall springen

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