Charlotte Mischler: Kultur macht eine Stadt erst attraktiv

Seit Mai hat Charlotte Mischler die Leitung der Abteilung Kultur des Schul-, Kultur und Sportamts Heilbronn übernommen. Wir sprachen mit der in Stuttgart lebenden Kulturmanagerin über die freie Kreativszene Heilbronns, Vergleiche zu Stuttgart und Pläne für die kulturelle Zukunft der Käthchenstadt. Von Robert Mucha, Foto: Memo Filiz

Hanix: Frau Mischler, Ihr Lebensmittelpunkt ist Stuttgart, wo Sie leben und lange gearbeitet haben. Das Pendeln macht sicher keinen Spaß?
Es funktioniert ganz gut. Ich pendle per Zug und so kann ich unterwegs lesen, Musik hören, entspannen und abschalten. Ich versuche, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Seit Kurzem leiten Sie die Kulturabteilung der Stadt Heilbronn.
Weshalb haben Sie sich auf diese Stelle beworben?
Kultur ist etwas, das mich unheimlich begeistert, deshalb fand ich die Stelle toll. Zuvor hatte ich mir immer schon gedacht, dass ich mir für meine nächste Stelle – sollte ich den Job nochmal wechseln – die Leitung einer Kulturabteilung wünsche.
Was genau hat sie so sehr an der Stelle begeistert?
Auf der einen Seite kann man kulturelle Veranstaltungen organisieren, auf der anderen Seite arbeitet man viel im Hintergrund im Bereich der Kulturförderung und hat mit unterschiedlichen Partnern zu tun und baut ein Netzwerk auf – das ist sehr spannend und abwechslungsreich. Zusätzlich ist Heilbronn eine sehr lebendige Stadt, in der sich etwas bewegt und etwas entsteht, man hat das Gefühl, dass die Stadt weiterkommen möchte. Im Hinblick auf die Buga gibt es zusätzliches Entwicklungspotenzial, was ich
alles sehr reizvoll finde.

Haben Sie die Entwicklung Heilbronns nur aus der Ferne wahrgenommen, oder kannten Sie Heilbronn schon vorher durch Freunde und Bekannte?
Ich kannte Heilbronn kaum und war zuvor vielleicht drei Mal in der Stadt. Erst als ich mich bei der Stadt bewarb, habe ich mich näher mit Heilbronn auseinandergesetzt und beschäftigt und noch mehr Lust auf die Stelle bekommen. Heilbronn befindet sich als Stadt in einem Transformationsprozess von einer Industrie- zu einer, so die Idee, Wissens- und Dienstleistungsstadt. Dabei spielt auch der Faktor »Freie Kultur« eine immer wichtigere Rolle im Wettbewerb der Kommunen.

Wie bewerten Sie eine lebhafte und vielschichtige freie Kunst-, Kultur- und
Kreativszene als Standortfaktor?
Für mich ist Kultur etwas ganz Wichtiges und Wesentliches.Je vielfältiger und breiter eine Kulturszene, desto reizvoller ist für mich das Leben. Wenn eine Stadt jung und dynamisch sein will, gehört das also auf jeden Fall dazu. Momentan bin ich dabei, alles zu beobachten und herauszufinden, was die freie Szene und die Stadt ansonsten alles zu bieten hat.

Wie haben Sie als Einwohnerin, aber auch als Mensch, der im kulturellen Sektor tätig ist, Stuttgart diesbezüglich wahrgenommen? Wird die freie Szene in der Landeshauptstadt aus Ihrer Sicht wertgeschätzt?
In Stuttgart gibt es eine sehr große und lebhafte Kulturszene, die auch sehr gut angenommen wird. Ob es Schwierigkeiten beim Etablieren dieser Szene gab, kann ich nicht einschätzen. Aus der Sicht einer Konsumentin genieße ich sie jedoch sehr und habe das Gefühl, dass die freie Kultur als Kontrast und Ergänzung zu den etablierten Angeboten gut funktioniert.

Wie wurden Sie bisher, bezogen auf die freie Kulturszene in der Stadt, von Ihren neuen Kollegen gebrieft?
Ich habe einen groben Überblick bekommen und war schon ein Mal im Kulturausschuss, als sich das »Hanix« dort vorstellen durfte. Ich habe natürlich vom runden Tisch »Freie Kultur« gehört, bei dem man sich regelmäßig mit den verschiedenen Vertretern austauschen kann, was ich für sehr wichtig halte.
Jetzt geht es darum, gemeinsam Wege zu finden und die Sache weiterzuentwickeln.
In Heilbronn hoffen Akteure der freien Kunst- und Kultur-, aber auch Kreativszene auf größere Anerkennung der eigenen Arbeit, aber auch auf eine gesteigerte Wahrnehmung in der Stadtverwaltung
und bei Vertretern der lokalen Politik. Welche Steigbügel werden Sie als Leiterin der städtischen Kulturabteilung anbieten können, um es den freischaffenden Kreativen etwas zu erleichtern, die erhofften Ziele zu erreichen?
Um etwas Konkretes nennen zu können, ist es für mich noch zu früh. Was ich aber auf jeden Fall mitbekommen habe, ist, dass hier ein Bewusstsein und eine Wertschätzung für die freie Kultur vorhanden sind. Auch auf städtischer Seite wird darüber nachgedacht, was getan werden kann und muss. Ein bundesweiter Trend ist, dass sich die kreative Klasse beginnt, politisch zu organisieren und Lobbyarbeit zu leisten, um den eigenen Zielen mehr Gewicht zu verleihen. Ich finde, dass es unheimlich wichtig ist, sich mit anderen zusammenzuschließen, um so seinen Forderungen mehr Gewicht zu verleihen. Oftmals entstehen durch solche Kooperationen auch völlig neue Projekte und unterschiedliche Charaktere und Ideen ergänzen sich.

In Heilbronn passiert aktuell dasselbe. Die Gründung der »IG freie Kunst- und Kulturszene« oder das medial und öffentlich wirksame und politisch gezielt wirkende Auftreten des »Projekts Inselspitze« sind aktuelle Belege eines neuen Selbstbewusstseins der Heilbronner Szene. Wird das im Kulturamt diskutiert?
Die Themen werden natürlich in der Kulturabteilung diskutiert. Was ich außerdem merke ist, dass die Stadt die Heilbronner Kulturszene als bunt, wichtig und vielfältig wahrnimmt. Deshalb möchten wir das Thema freie Kultur mehr in den Fokus zu rücken und suchen nach Möglichkeiten der Unterstützung.

Wie bewerten Sie das teilweise »laute« Vorgehen der Szene, die auf sich aufmerksam machen möchte? Legitim, weil es auf dem »normalen« Weg nicht funktioniert oder eher kontraproduktiv?
Vielleicht kann es manchmal gut sein, wenn man etwas lauter agiert, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Allerdings kann das auch schnell abstoßend wirken und ich glaube, dass man gerade auf einer sachlichen Ebene oftmals etwas Geduld mitbringen muss, da sich dort Sachen erst entwickeln müssen und am Ende eine gute Argumentation wichtig ist.

Sie sind noch zu kurz in Ihrer Funktion hier in Heilbronn tätig, um sich schon einen umfassenden Überblick über die freien Kunst- und Kulturangebote verschafft haben zu können. Wie wollen Sie sich einen Überblick verschaffen?
Demnächst gibt es den nächsten runden Tisch im Rathaus, bei dem viele Akteure da sein werden. Dann kann ich alle persönlich kennenlernen und habe mir vorgenommen, nach und nach Termine zu machen und Veranstaltungen zu besuchen. Ich freue mich über jede Einladung und jeden neuen Kontakt und bin, durch meine Position aber natürlich auch persönlich, sehr offen für neue Dinge. ◆

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