Taschenkontrolle im Hanix-Magazin No.41

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Arminé reist durch Raum und Zeit

Arminès Tascheninhalt ist eine Symbiose aus Orient und Okzident. Durch den armenischen Gebetszettel und Talismann aus Tel Aviv fühlt sie sich beschützt. Sie mag Geschichtsträchtiges, in Gegenständen und ihrer Herkunft. Heimatlich verbunden ist sie mit ihrer Geburtsstadt Heilbronn. Dort ist ihre Familie in der Nähe und das Charivari.

Text: Maria Maroge, Fotos: Meli Dikta

Beruf: First Lady im Charivari

Jahrgang: 1979

Berufung: Wohin ihr Herz sie führt

Wohin die Reise auch führt, Arminé folgt stets ihrem Herzen. Das führte die 36-Jährige bereits zur Schulzeit 1999 ins Charivari. Sie jobbte nebenher in der Heilbronner Bar, während sie ihr Abitur machte. Anschließend lernte sie Fremdsprachen-Sekretärin. Später studierte sie in Giessen Marketing und Französisch.

Die Heimat schickte ihre Rufe voraus und holte Arminé wieder in die Bar. Küchenchef Robert übernahm 2007 das Chari. »Mit seinem Bruder Adi, Kollegin Tina und mir im Boot wollten wir alles gemeinsam umkrempeln und dem Ganzen eine eigene Handschrift verpassen«, erklärt die smarte Heilbronnerin in ihrer mädchenhaft-anmutenden Art. Erfahrungen in der Gastronomie? »Keine! Außer im Service«, sagt sie. Aber mit jeder Menge Ideen, der richtigen Intuition und Disziplin schaffte es das Team, das Chari zu einem der angesagtesten Restaurant-Bars Heilbronns zu verwandeln. Arminé profitierte dabei von ihrer angeborenen Kreativität: »Meine Mutter ist Seidenblütenmacherin. Sie konnte aus dem Nichts Schönes produzieren. Die kreative Ader habe ich wohl von ihr.« Von Blogs, Magazinen und Großstädten liess sie sich zudem inspirieren. Das Chari erstrahlt heute in einem Mix aus Retro der 60er Jahre und skandinavischer Moderne. »Ich habe einen Stuhl-Tick, vor allem liebe ich Möbel mit Geschichte!«, gesteht sie.

Arminé ist bescheiden, aber auch stolz – darauf, dass sie den Traum verwirklichen konnten, der urbane Laden von den Kunden gut angenommen wurde und auf ihr tolles Team. Doch der Preis war hoch. Acht Jahre sind nun seit der Übernahme vergangen. Acht Jahre in denen sie sechs Tage die Woche, 14 Stunden täglich arbeitete und sich seitdem keinen Urlaub gönnte. Familie und Freizeit blieben auf der Strecke. Dabei ist sie sehr familiär. Zu ihrem älteren Bruder Ari und ihren Eltern habe sie eine sehr innige Beziehung: »Vor allem meine Mutter spielt eine zentrale Rolle in meinem Leben.« Das kann man gut auf ihrem Lieblingsbild erkennen, welches sie in ihrer Tasche bei sich trägt.

Überhaupt verrät ihr Tascheninhalt, dass es bei Arminé keine Grenzen gibt, weder in Zeit noch Raum. Sie steht für Orient und Okzident, für Vergangenheit und das Jetzt. Ihre Wurzeln führen die Diaspora-Armenierin nach Istanbul: »Meine ethnische Herkunft interessiert mich sehr. Ich mag unsere Traditionen und orthodoxe Kirche.« Den armenischen Gebetszettel hat sie von ihrer Mutter. Den Talismann (in Papier gewickelt) habe ihr ein Gast aus Tel Aviv mitgebracht. »Es vertreibt die bösen Geister, wenn man es über die Tür hängt«, erklärt sie lachend. Den »Wackel-Hasen« ersteigerte sie auf einem Flohmarkt, »ich mag verspielte Dinge«. Und das nostalgische Tuch schenkte ihr die Freundin ihres Bruders. Das wird demnächst einen Tisch im Chari schmücken. Der schwarz-weiße Kulturbeutel beinhaltet vor allem Lippenstifte. »Ich habe auch einen Lippenstift-Tick«, konstatiert Arminé schmunzelnd.

»Hände hoch« rapt Rustam auf der CD ihres Tascheninhalts. Das ist das Demo von Kollege Rudi. Ansonsten höre sie gern alte Soulplatten, arabische Musik und den armenisch-französischen Chansonnier Charles Aznavour. Wenn die Zeit es erlaubt, liest sie gern, aktuell ein Buch über den 100-jährigen Genozid an ihren Vorfahren und geht mit Max Frisch auf Antwortsuche zu Sinnesfrage.

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