Titelthema Job & Karriere im Hanix-Magazin No.41

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Texte: Kathrin Fromm / Zeit Campus

Nicht nur das Gehalt ist wichtig. Was man bei der Wahl des Arbeitgebers noch im Blick haben sollte. Ein Abc

A wie Ausschlafen

Arbeitsbeginn: Die meisten Bürojobs beginnen zwischen 7 und 9 Uhr – mit Gleitzeit wahlweise etwas früher oder später. Im Kreativbereich geht es meist gegen 10 Uhr los. Als Arzt, Sozialarbeiter oder in der Kultur- und Tourismusbranche gibt es Schichtdienst – auch am Wochenende. In internationalen Teams gilt: Die asiatischen Kollegen sind bis mittags zu sprechen, für eine Videokonferenz mit Kollegen in Amerika muss man abends länger im Büro bleiben.

B

Branche: Ist man beim Du oder Sie? Herrscht Anzug- und-Krawatten-Pflicht selbst bei Sommerhitze? Viel hängt von der Branche ab: neben dem Umgangston, der Kleiderordnung und den Arbeitszeiten auch das Gehalt. Besonders förmlich geht es bei Banken und Versicherungen zu. Beim Gehalt liegen Banken, der Fahrzeugbau und die Chemieindustrie vorn. Bei Verlagen, im Sozialwesen sowie im Kultur-, Sport- und Unterhaltungsbereich verdient man durchschnittlich am wenigsten.

E

Extras: Was bietet die Firma neben dem Gehalt an? Gibt es Urlaubs- und Weihnachtsgeld? Prämien oder Boni, wenn Ziele erreicht werden? Bekommt man einen Dienstwagen, ein Firmenhandy oder eine vergünstigte Monatsfahrkarte? Ebenso kann man nachfragen, ob dass Kantinenessen bezuschusst wird und ob es eine Kita für Mitarbeiterkinder gibt.

F

Freiheit: Der Spielraum, den man hat, variiert, je nachdem, welche Rolle Hierarchien im Unternehmen spielen und welchen Führungsstil der Vorgesetzte pflegt. In einigen Firmen werden Ideen schnell umgesetzt, in anderen müssen sie erst von fünf Stellen genehmigt werden. Manche Vorgesetzte geben alle Arbeitsschritte vor, andere erkundigen sich nur kurz nach dem Zwischenstand des Projekts. Auch auf die zeitliche Freiheit kann man achten: Muss man jeden Gang zum Bäcker erklären, oder zählt vor allem das Ergebnis?

G

Größe: Eine Umfrage des Trendence-Instituts ergab, dass die Wunscharbeitgeber von Absolventen vor allem große und bekannte Konzerne wie BMW, Bosch, Google oder Lufthansa sind. Der Vorteil, wenn man bei einem großen Unternehmen anheuert: Im ersten Berufsjahr verdient man im Schnitt rund 1000 Euro mehr im Monat als bei kleinen Firmen, auch Urlaubsgeld wird bei den Großen häufiger gezahlt. Außerdem haben Konzerne oft eigene Weiterbildungsakademien und können so regelmäßig Trainings und Seminare anbieten. Rund 60 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten aber bei kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern. Die Vorteile dort: Man lernt in kürzerer Zeit ein größeres Aufgabengebiet kennen und bekommt häufig schneller Verantwortung übertragen. Außerdem sind gerade mittelständische Unternehmen oft Weltmarktführer in ihrem Bereich und bieten den Mitarbeitern dadurch spannende Einblicke.

O

Ort: Bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber sollte man auf den Standort achten. Ist man ein Großstadttyp, tut man sich bei adidas im fränkischen Herzogenaurach womöglich schwer. Andererseits bedeutet in der Großstadt zu arbeiten nicht automatisch, hübsche Cafés und Restaurants um die Ecke zu haben. Viele Firmen sind in Industriegebieten am Stadtrand angesiedelt. Auch für die Anfahrtszeit ist das interessant.

P

Perspektiven: Befördert werden, mehr Geld verdienen, größere, interessantere Projekte betreuen: Im Vorstellungsgespräch kann man nachhaken, welche Aufstiegsmöglichkeiten das Unternehmen bietet. Sind zum Beispiel regelmäßige Fortbildungen vorgesehen? Wie lange dauert es in der Regel bis zur ersten Beförderung? Und gibt es die Möglichkeit, nach ein paar Jahren im Beruf eine Auszeit zu nehmen, um einen MBA zu machen oder seine Doktorarbeit zu schreiben? Feste Karriereschritte sind beispielsweise in der Beratungsbranche üblich. Gute Chancen, eines Tages eine Führungsposition zu bekommen, bieten Traineeprogramme, vor allem für Wirtschafts- und Naturwissenschaftler.

R

Reisen: Die einen finden nichts schöner, als im Job unterwegs zu sein, und träumen von einem mehrjährigen Auslandseinsatz, die anderen fürchten jede noch so kleine Geschäftsreise. Deshalb sollte man sich vorher klarmachen, wie viel man bei einem Unternehmen unterwegs sein wird. Schon vor der Bewerbung kann man auf der Firmenwebsite nachschauen, ob und wo es Standorte im In- und Ausland gibt. Nicht nur große Konzerne agieren international, auch viele Mittelständler exportieren weltweit und produzieren zum Teil auch im Ausland. Wem ein Auslandsaufenthalt wichtig ist, sollte nach den konkreten Möglichkeiten fragen und deutlich Interesse signalisieren. Zum Teil gibt es auch internationale Traineeprogramme, vor allem bei Konzernen. Dann ist ein Auslandsaufenthalt fest eingeplant.

S

Stimmung: Wie denken die Angestellten über die Firma und ihre Arbeit? Sind die Kollegen um die 30 oder eher im Alter der eigenen Eltern? All das kann entscheidend dafür sein, wie wohl man sich bei der Arbeit fühlt. Leider lässt sich im Vorstellungsgespräch nicht einfach die Stimmung erfragen (siehe dazu auch das Interview auf Seite 40). Eine Möglichkeit, an Informationen zu kommen, sind Bewertungsportale wie Glassdoor und Companize. Ein einfacher analoger Trick: zur Feierabendzeit mal bei der Firma vorbeischauen und beobachten. Wie sehen die Leute aus? Wird vor der Tür noch kurz gequatscht? Oder geht es ohne Verabschiedung schnurstracks zum Auto oder zur nächsten Haltestelle?

Ü

Überstunden: Es ist sinnvoll, zu fragen, wie eine Firma mit Überstunden umgeht. Wie wird die Arbeitszeit erfasst? Steht im Arbeitsvertrag, ob und wie Überstunden vergütet oder ausgeglichen werden? Muss man auch nach Feierabend für den Chef erreichbar sein? Selbst wenn man nichts dagegen hat, ab und zu ein paar Überstunden zu schieben, ist es wichtig, die Rahmenbedingungen zu kennen (zu Arbeitszeitmodellen siehe den Artikel auf Seite 64).

Z

Zimmer: In welchem Büro man arbeiten wird, ist eine berechtigte Frage im Vorstellungsgespräch. Sitzt man allein im Zimmer? Teilt man sich einen kleinen Raum ohne Fenster mit vier Kollegen? Oder steht der Rechner in einem Großraumbüro? In manchen Firmen ist es inzwischen üblich, keinen festen Arbeitsplatz zu haben, sondern morgens einen Rollcontainer mit seinen persönlichen Dingen an einen freien Tisch zu schieben. Am besten, man lässt sich nach dem Vorstellungsgespräch die Büros zeigen. Dann sieht man auch gleich, was an der Wand hängt: schräge Poster und Kritzeleien, Hochglanzfotos vom Firmen-Event oder nur ein einsamer Flucht- und Rettungsplan? Auch das verrät etwas über die Art, wie hier gearbeitet wird.

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