Alexander Huber (Huberbuam) Hanix No.48

»EIN GUTES ESSEN ZU ZELEBRIEREN GEHÖRT ZU DEN SCHÖNSTEN DINGEN DER ERDE«

Der Bergsteiger und Autor ALEXANDER HUBER bildet gemeinsam mit seinem Bruder
Thomas eine der erfolgreichsten Seilschaften unserer Zeit. Als eine Hälfte der Huberbuam
ist er nicht nur an den höchsten Bergen der Welt, sondern auch bei Vorträgen und Auftritten im TV gegenwärtig. Vor seinem Vortrag unter der Glaspyramide der Kreissparkasse Heilbronn sprachen wir mit dem Extremkletterer, der zahlreiche Speed-Rekorde und Erstbegehungen an einigen der extremsten Routen vorzuweisen hat, über das Kochen im Basislager, Energieriegel und Rationierung sowie Luxus am Berg. Von Robert Mucha, Fotos: Nico Kurth

Hanix: Alexander, unser Titelthema lautet »Kulinarik«. Wir wollen also mit dir über Essen im Alpinismus reden. Aber davor: Wie stärkst du dich vor einem Vortrag, wie du ihn gleich hier in Heilbronn halten wirst?
Alexander Huber: Davor viel zu essen geht nicht, ansonsten sinkt der Blutdruck in den Keller und das Blut fehlt dann im Gehirn zum Denken. Also halte ich Vorträge eher auf nüchternem Magen.
Bist du ein kulinarischer Mensch?
Das bin ich sehr wohl.
Gibt es ein Leibgericht?
Ein spezielles Leibgericht habe ich nicht. Ich liebe es, mit Menschen zusammen zu kochen, sei es ein Asado in Patagonien oder ein Barbecue in Kalifornien am Lagerfeuer. Wenn man in Pakistan oder Indien auf Expedition ist, wird man normalerweise von Köchen bekocht, das hat Tradition. Für mich ist es die schönste Sache der Welt, dort gemeinsam zu kochen. Deshalb kann ich mich auf kein Leibgericht festlegen, da man aus jeder Kultur etwas mitnehmen kann. Ich liebe die asiatische Küche, die wesensverwandt mit der indisch-pakistanischen Küche ist. Diese Traditionen bringt man aus den verschiedenen Orten mit nach Hause, und so probiere ich dann auch mal ein patagonisches Asado am heimischen Grill aus. Durch die Nähe zu Italien liebe ich als Bayer natürlich auch italienisches Essen, hauptsächlich aber ernähre ich mich von der guten heimischen Küche.
Du bist fürs Speedklettern bekannt. Lässt du dir beim Essen Zeit oder gibts öfter mal das Brötchen auf die Faust?
Dass es bei Zeiten mal schneller gehen muss, liegt auf der Hand. Aber ein gutes Essen zu zelebrieren gehört für mich zu den schönsten Dingen der Erde, schließlich sichert es dein Überleben. Im Grunde genommen sind alle Sachen, die dein Überleben sichern, das Schönste auf der Erde.
Wie sind deine ureigenen Essgewohnheiten und wie sieht dein Ernährungsplan während der Vorbereitung auf eine anstrengende Kletterexpedition aus?
Das hängt hauptsächlich damit zusammen, dass man auf einer Expedition natürlich keine so große Auswahl wie zu Hause hat. Da gibt es gefriergetrocknete Nahrung, die ich daheim nicht essen würde – oben auf dem Berg bist du aber ziemlich froh, dass es so etwas gibt. Einerseits leicht, andererseits essbar; das ist schon nützlich. Zuhause zelebriere ich dann die besondere Küche.
Was gibt es im Basislager zu essen, wie sehen die Mahlzeiten auf Expeditionen und Touren aus?
Wie schon gesagt, wir haben Köche dabei. Die Leute dort sollen Arbeit haben, außerdem ist es auch vorgeschrieben, dass die Bergsteiger die einheimische Bevölkerung beschäftigen. Wenn du einen guten Koch erwischst, kannst du viel über die Küche des Landes lernen.
Ist dir ein guter Expeditionskoch wichtig oder ist das völlig egal; Hauptsache Kalorien?
Wenn man schon mal einen guten Koch hatte, schaut man natürlich, dass man den wiederbekommt. Eine Garantie gibt es aber nicht, weil man nie weiß, welche Konstellationen es gerade gibt, wenn man dann am Berg auftaucht. Auf jeden Fall macht es viel mehr Spaß, wenn man gute Köche hat.
Gönnst du dir auf Expeditionen hie und da kulinarische Genüsse oder packst du ganz praktisch und pragmatisch dein Vorratslager?
Grundsätzlich muss man sowieso alles hochschleppen, wofür wir auch Träger haben. Das ist eine hervorragende Möglichkeit, den Menschen dort Arbeit zu geben. Deshalb ist man bis zum Basislager nicht belastet und kann sich gerne ein bisschen Luxus beim Essen gönnen, beispielsweise frisches Gemüse. Da bringt dann jede Woche ein Träger aus dem Tal frisches Grünzeug ins Basislager. Der macht dann vier Wochen lang auch nichts anderes und hat so für einen Monat Arbeit. Es ist eine Win-win-Situation: Wir haben frisches Gemüse und die Träger Arbeit.
Welchen Proviant hast du im Rucksack, wenn es wirklich in den Berg oder die Wand geht und du für längere Zeit auf den Luxus des Basislagers verzichten musst?
Wir wurden ja schon mal verrissen, weil wir für einen Energieriegel Werbung gemacht haben, da gesagt wurde, dass die dick und nicht fit machen. Dabei braucht man fürs Bergsteigen hochkonzentrierte Nahrung, also maximale Kalorien bei minimalstem Gewicht.
Und wie schmeckt das Zeug? Welche Geschmacksrichtung muss dabei sein?
Selbst der leckerste Riegel schmeckt dir nach dem zwanzigsten Mal nicht mehr, weshalb es am wichtigsten ist, viele unterschiedliche Produkte dabeizuhaben, sodass man ein wenig Abwechslung hat.
Ist dir der Proviant auch mal zuneige gegangen, sodass du rationieren musstest? Und: Wie lange kann man an einem Stück Schokolade rumknabbern?
Das war in der Arktis, fernab der Zivilisation auf Baffin Island. Da wurde unser Material bereits im Winter mit Schneeschlitten zum Basislager gebracht, weshalb wir auch nur diese Reserven zur Verfügung hatten. Am Ende wurde es mit der Gipfelbesteigung ziemlich eng. In solchen Fällen beginnt man zehn Tage zuvor mit der Rationierung und dann gibts eben einfach nur noch halbe Portionen. Es ist besser, jeden Tag nur die Hälfte zur Verfügung zu haben, als sich fünf Tage satt zu essen und fünf Tage zu hungern. Deshalb knabbert man dann auch nicht auf etwas herum, es gibt einfach substanziell weniger. Das klingt auch alles dramatischer, als es ist, schließlich merkt man früh genug, wenn das Essen zur Neige geht und kann sich dann darauf einstellen. Das ist ein langsamer Anpassungsprozess, den man gar nicht als so schlimm empfindet, da sich der Körper an den Hunger gewöhnt – no big deal!
Die meisten Deutschen nennen, wenn sie im Ausland danach gefragt werden, was sie am meisten aus der Heimat vermissen, Brot. Was fehlt dir am meisten, wenn du fern der Heimat in einer Wand kauerst? Auch etwas für den Magen? Die bayerische Laugensemmel oder ein Weißwurst-Frühstück?
Ja, so gehts mir auch. Mir fehlen die guten bayerischen Brezen. Auf Expeditionen, bei denen du kein frisches Gemüse oder Obst hast, fehlt dir das natürlich auch.
Genießt man so etwas dann intensiver, wenn es wieder verfügbar ist?
Und wie! Deshalb ist der Verzicht gar nicht so tragisch, weil man ganz genau weiß, dass es danach wieder umso besser schmeckt.
Gehst du nach deinem Vortrag noch in die Stadt zu Abend essen? Wir empfehlen das Heilbronner Leibgericht …
So genau weiß ich das noch gar nicht. Später treffe ich meinen Kollegen »Erbse«, bei dem wir vermutlich gemeinsam kochen werden. Vielleicht tischt er es ja auf …
Info:
Alexander Huber wurde vom Deutschen Alpenverein Sektion Heilbronn e.V. in die Käthchenstadt eingeladen. Mehr zu den Aktivitäten der Heilbronner Alpinisten unter www.dav-heilbronn.de

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