Michael Hieronymus Kunst Hanix No.48

HIERONYMUS
Égalité: Alles, was lebt kommuniziert

Vor dem UN-Gebäude sehen wir eine riesige geometrische Zwillingsskulptur aus rötlichem Corten-Stahl aufgestellt. Gleichsam spiegelbildlich stehen sich zwei monumentale Figuren gegenüber, sodass ihre Kopf-teile sich einander zuwenden. Man könnte diese Zuwendung beider Hälften ansprechen als ein Superzeichen für Kommunikation und damit vor dem bedeutenden Gebäude als Ausweis für die Überzeugung, dass die Menschen vielmehr miteinander kommunizieren, als weniger kriegerisch sich zu begegnen hätten.
Der Schöpfer dieser Arbeit ist Michael Hieronymus aus Heilbronn, das Monument Teil des engagierten Projekts ›Égalité‹. Sein Wunsch ist es, diese Gruppe überall auf der Welt zu platzieren, wo es um Kommunikation geht: in Häfen, auf Plätzen, vor wichtigen öffentlichen Gebäuden, an Schnittstellen zwischen Natur und Zivilisation. Es ist der Versuch, mit einer Skulptur die Welt zu verändern, eine Energie auszusenden, die die Dinge positiv verändert, durch respektvollen Umgang und gegenseitige Verständigung. Es war die Idee, so der Künstler, eine schlichte, einfache Form zu finden, leicht wiedererkennbar, die greifbar das zum Ausdruck bringt, was der mittlere Begriff aus dem berühmten Slogan der Französischen Revolution »Liberté, Egalité, Fraternité« signalisiert. Die Figur solle als Bote dieser Idee fungieren. Zudem solle sie den menschlichen Körper so allgemeingültig darstellen wie nur irgend möglich. Zentral für die Formfindung der Skulpturen sei die Bedeutung des Wortes ›Égalité‹, die der Künstler mit ›Gleichwertigkeit‹ übersetzt. Die wörtliche Übersetzung: ›Gleichheit‹ sei problematisch, da im Deutschen ›Gleichheit‹ zu sehr den Geschmack von Gleichmacherei habe. Es gehe vielmehr darum, die Gleichwertigkeit der Menschen herauszuarbeiten. Es resultierte die Form, wie wir sie in jener Bildmontage des UN-Gebäudes beobachten können: Ein aufrechtes Rechteck – seit je Symbol des aufrecht stehenden Menschen – und ungefähr in der Höhe des ›Goldenen Schnitts‹ ein Kubus oben aufgesetzt, oder ein weiteres Rechteck vorne anmontiert – je nach Sichtweise. So erstellt Hieronymus eine auf allen Seiten völlig homogene Figur ohne sichtbare Arbeitsspuren – anders als etwa die berühmten ›Heilbronner Köpfe‹ von Franz Bernhard, deren Bearbeitung offensichtlich ist, die in ihrer Unterschiedlichkeit aber auf Individualität angelegt sind. Die Konzeptfigur, 2013 erstmals im Prototyp gestaltet, ist seriell reproduzierbar und mit Selbstähnlichkeit ausgestattet. Unterschiede lassen sich zwar – je nach der entsprechenden Umgebung – durch Variationen in Größe, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit ak-
zentuieren. Viel wichtiger sei es aber, dass sie so gruppierbar sind, dass allein ihre Aufstellung zueinander kommunikativen Austausch stiftet und charakterisiert.
Hieronymus, der ja nicht allein Bildhauer ist, sondern auch Grafiker, Fotograf und Maler, hat nun für die Gemeinde Untergruppenbach und ihre ländliche Umgebung ein umfangreiches Projekt zum Thema geplant. Wann und ob es zur Aufführung kommen wird, ist noch offen. Jedenfalls hat es bereits umfangreiche Gespräche mit der Gemeinde und ihrem Bürgermeister gegeben. Geplant ist die Aufstellung monumentaler Figuren etwa im Wald, am Weg entlang der Burg Stettenfels Richtung Heil-bronn; zu Gruppen arrangiert, soll man sie vor dem Rathaus finden können, sowie im Rahmen einer umfassenderen Ausstellung im Rathaus selbst.
Die Projektkonzeption erschöpft sich allerdings nicht darin, bloß Skulpturen zu präsentieren. Eine weitere Intervention sollen großformatige Plakatbänder darstellen, montiert etwa an Mauern der Burg, an großflächigen Wänden in der Stadt aber auch in der Natur. Die Banner stellen in weithin lesbarer Typografie, oft doppelreihig so humorige wie nachdenkliche Fragen: »Werden Radieschen erwachsen«, »Sind Maikäfer pünktlich«. Da Hieronymus auf diesen Bannern die Interpunktion auslässt, es also keine abschließenden Satzzeichen gibt, stellt sich oft ein vom Künstler nicht intendierter Effekt ein, dass man nicht nur die Frage von oben nach unten lesen kann, sondern die Antwort gleich mitgeliefert bekommt, wenn man den Text gegenläufig von unten nach oben liest: »Spüren Bäume / wie es dir geht« »Wie es Dir geht / spüren Bäume«. Zwar kommunizieren auf dieser Ebene die Texte mit sich selbst; doch die Intention des Künstlers ist es, fragend in unseren Alltag einzugreifen und auf diese Weise die Kommunikation zwischen uns und unserer Umwelt, zwischen Mensch und seiner Natur anzuregen und zu intensivieren.
Wer sich vorab schon einmal einen Eindruck über das skulpturale Arbeiten von Hieronymus verschaffen möchte, dem sein ein Sparziergang im ›Skulpturenpark im ZfP Weinsberg‹ empfohlen. Dort am obe-ren Ende des Klinikums, hinter der Kirche, findet sich das Interesse des Künstlers an Verständigung und Kommunikation schon einmal beispielhaft in Szene gesetzt. ◆

This message is only visible to admins.

Problem displaying Facebook posts.
Click to show error

Error: Server configuration issue