Mojäk Galerie Kunst Hanix No.48

AUS MOJO WIRD MOJÄK
Neues Galerie-Shop-Bistro von Serpil Aslan und Francisco Gondar Alfonso. Text: Dr.Bernhard Stumpfhaus

Wer erinnert sich nicht noch an das Mojo in der Eichgasse, dort, wo heute das gefeierte Velo untergekommen ist. Das Mojo, ein zweistöckiges Café, wo man oben, im ersten Stock, lange, sehr bequem sitzen konnte und an den Wänden hingen Zeichnungen, Gemälde oder Fotografien von jungen Heilbronner Künstlern und Designern. Das Mojo schloss zwischenzeitlich, Serpil und
Francisco lebten längere Zeit in Istanbul und kamen zurück nach Heilbronn.
Mitte des vergangenen Dezembers eröffneten sie nun die Jäkbar mit Mojäk-Galerie und Shop in der Frankfurter Straße 20. Anders als im Mojo, in dem sich Kaffeebetrieb und Ausstellung mischten, haben hier Galerie und Bistro getrennte Bereiche. Im Bistro gibt es vegane Getränke und schon jetzt vom Publikum sehr geschätzte Tapas de Tortilla. Im hinteren Bereich schließt sich dem Bistro der Shop an; auch das ein Unterschied zum Mojo. Im Shop werden neben Schmuck, den beispielsweise Serpil selbst gefertigt hat, Zines, u. a. von Sergej Vutuc, Kunstbücher, Vinyl-Schallplatten und Designerobjekte zum Kauf angeboten. Der Shop selbst ist allerdings noch im Werden. Serpil und Francisco besuchen Messen und reisen, um Neues für den Shop zu entdecken.

Wichtig dabei ist, dass beiden die Objekte oder Objektkonzepte, die sie verkaufen, gefallen und etwas bedeuten. So stehen etwa direkt vor der Galerie in Wandregalen Figuren aus Porzellan der galizischen Design-Werkstatt Sargadelos, einer Region, der Francisco entstammt. Das Porzellan zeigt sehr schön, wie fließend die Grenzen zwischen Design und Objektkunst sind.
In einem Extra-Raum mit weiter Glasfront auf die Straße schließt sich die Mojäk-Galerie an. Zuerst wurdem hier unter dem Titel ›Francisco de Soarl‹ hölzerne Bildobjekte von Francisco ausgestellt. Die Idee sieht vor, alle zwei bis drei Monate einen anderen Künstler, Designer oder auch Künstlergruppen zu präsentieren. Ab März stellt der UK-Graphic-Artist Patrick Thomas seine Siebdrucke aus. Er ist seit Oktober 2013 Professor für Kommunikationsdesign an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, dürfte hiesigen Kulturschaffenden also durchaus ein Begriff sein.
Wie der Shop folgt auch die Mojäk-Galerie keinem festgelegten Konzept. Die hier zu sehende Kunst wird von Francisco und Serpil ausgesucht, soll zum Ort und seinen Menschen passen. Beide sind offen für alle Arten von Kunst. Die Galerie folgt dabei nicht den Gesetzen des Kunstmarktes: »In der Galerie«, so Francisco, »werde nicht Geldwert inszeniert, sondern es werden Dinge, Objekte, Arbeiten ausgestellt, die man gern sieht.« Es sei etwas als Kunstwerk wahrzunehmen und nicht als merkantiles Objekt. Wichtig für die Galerie wie für das gesamte Konzept von Jäkbar, Shop und Mojäk-Galerie sei es allerdings, dass sich die drei Projekte selber tragen.
Die Kunst hier im Mojäk müsse auch nicht einer bestimmten Szene entstammen oder sie repräsentieren. Beiden, Serpil und Francisco, sei es ein vorrangiges Anliegen, dass es Verbin-dungen zum Künstler gebe, zu seinen Gefühlen und Gedanken. Dabei sei allein ausschlaggebend, was die beiden im Moment wichtig und gut fänden. Das mache den Unterschied: Die zu zeigende Kunst müsse den Geschmack der beiden treffen. Geschmack isthier allerdings nicht bloß als eine ästhetische Willkür zu verstehen, sondern er schließt auch eine Überzeugung ein. Die Kunst müsse, so Francisco, überzeugen, indem sie zum Nachdenken anrege, einem gewissen Ideal folge. Bei dieser persönlichen Herangehensweise sei man sich aber durchaus auch bewusst, dass eine solche Galerie nicht nur ein reines Privatvergnügen sei, sondern eine Intervention in den öffentlichen Raum darstelle. Man gestalte den Platz mit, öffne sich der Straße und lade die Menschen ein, zu kommen und teilzuhaben. Dabei sei aber erst einmal zentral, überhaupt etwas zu machen. Die Konsequenzen stellten sich von alleine ein.


Die Öffentlichkeit, mit der man in Bistro, Shop und Galerie interagiere, meint aber weniger nur die Heilbronner Öffentlichkeit. Man öffne sich allen interessierten Menschen von überall her. So habe man nicht das Bedürfnis, in die Stadt zu intervenieren, sie zu verändern; man sei weder für noch gegen die Stadt. Das Publikum sei vielmehr international und es sei ein sich jenseits der Stadt formulierendes Netzwerk, das man an sich binden wolle.
Aber eigentlich gehen solche Überlegungen viel zu weit. Jäkbar und Mojäk-
Galerie bilden zuallererst einen Ort, an dem alles das sei, was »wir mögen: gute Musik, schöne Objekte, Kunst, ein leckerer Kaffee« – an dem die Menschen eingeladen sind, sich herzlich zu begegnen. ◆

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