Wirtschaft deset LED GmbH Hanix No.48

Illuminati

Nein, mit dem im 18. Jahrhundert gegründeten und alsbald wieder verbotenen Geheimorden der Illuminaten hat das Ludwigsburger Unternehmen deset LED GmbH nichts zu tun. Oder doch? Es geht jedenfalls um Licht und ein wenig auch um »Erleuchtung«.
Von Matthias Marquart , Fotos: Ulla Kühnle

Unternehmerisch tätig ist Birol Yilmaz schon über 20 Jahre. 1996 gründete der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann mit Patentic in Heilbronn sein erstes Unternehmen für Werbetechnik. Yilmaz: »Wir waren damals die Ersten, die in Deutschland das Aluminium-Sublimationsdruckverfahren einführten. Bei diesem Verfahren wird Farbstoff in den Trägerstoff eingedampft, sodass beispielsweise Typenschilder fortlaufend gedruckt werden können.« 2005 stellte sich der 46-jährige Vater dreier Töchter aber dann eine entscheidende Frage: »Warum 1.000 Produkte für einen Euro verkaufen, wenn man auch ein Produkt für 1.000 Euro oder mehr verkaufen kann?« Und diese Möglichkeit sah er in der LED-Technik, die damals dabei war, mit effizienten Wirkungsgraden nahezu alle Lichtanwendungen zu erobern. Der bekennende Buddhist grinst und sagt: »Das war quasi meine ›Erleuchtung‹.« So bereiste er ab 2005 China, wo die für diese Technik führenden Hersteller beheimatet sind. Yilmaz sondierte den chinesischen Markt sorgfältig und suchte zuverlässige Lieferanten für LED-Komponenten aus.

Mit Frank Zurmühlen und dessen Unternehmen Trend Werbesysteme fand er dann 2007 in Vaihingen Enz einen neuen Partner, mit dem er in das Geschäft mit LED-Displays einstieg. Sie kauften LED-Komponenten und versahen diese in Deutschland mit neuen, selbstgefertigten Rahmen- und Trägersystemen. Birol Yilmaz: »Wir haben dann in Deutschland auch einige Projekte, wie beispielsweise mit LED-Technik ausgerüstete Werbetürme und Video-Displays, erfolgreich realisiert und umgesetzt. Allerdings hatten wir letztendlich unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung des Unternehmens. Ich wollte verstärkt auf LED-Technik setzen, da ich erkannt hatte, dass dieser Markt Zukunft hat, wogegen Frank eher zu klassischen Werbesystemen tendierte.« Da stieß
Birol Yilmaz auf das Ludwigsburger Unternehmen deset, einer internationalen Holding, die in diesem Bereich bereits seit 2003 erfolgreiche Pionierarbeit leistete. So wurde bei deset als bis heute einzigem Hersteller von LED-Displays außerhalb Asiens das energiesparendste Display der Welt entwickelt. Durch den enorm niedrigen Stromverbrauch und eine weltweit einzigartige Ansteuerungstechnik liefern die Bildwände bis zu 400 Prozent mehr Detailgenauigkeit und benötigen dennoch nicht mehr Strom als eine Waschmaschine. Eine Leistung, die dem Unternehmen auf der Cebit 2009 unter mehreren hundert Bewerbern auf den Innovationspreis den vierten Platz einbrachte und die bis heute Bestand hat. Der Zufall wollte es, dass deset einen Vertriebsleiter für deren Abteilung LED-Displays suchte und in Birol Yilmaz 2010 dann jemanden fand, der mit Begeisterung und Herzblut die Herausforderung annahm. Yilmaz: »Als ich bei deset einstieg, betrug der Umsatz im LED-Bereich gerade einmal fünf bis zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Holding.« In nur knapp zwei Jahren steigerte er – sehr zur Freude von Firmengründer Daniel Frederick – diesen Anteil auf 40 Prozent.

2013 fiel dann die Entscheidung, den Geschäftsbereich aus der Holding auszugliedern und mit Gründung der deset LED GmbH auf eigene Beine zu stellen. Yilmaz wurde einer von drei Gesellschaftern und Geschäftsführer. »Allerdings stellen wir heute keine eigenen Displays mehr her. Unsere Produkte waren zwar sehr gut, doch in Deutschland ist die Produktion auf lange Sicht gesehen einfach zu teuer«, berichtet Yilmaz. Dennoch hat das Unternehmen bis heute ei-nen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: »Durch unsere langjährige Erfahrung gerade auch in der Produktion und in der Auswahl unserer Zulieferer können wir Produkte liefern, deren Langlebigkeit und Zuverlässigkeit von keinem Mitbewerber getoppt werden. Wir kennen bei unseren Lieferanten teilweise jede Lötmaschine, die verwendeten Kabel oder Schrauben, gehen, was die Auswahl unserer Komponenten angeht, also absolut in die Details. Die Komposition unserer hochwertigen Komponenten ist damit ein wichtiger Teil unseres Erfolgsrezeptes,« sagt Yilmaz stolz. Und das ist auch wichtig, denn deset hat sich mittlerweile auf Outdoor-Anlagen spezialisiert, die über Jahre hinweg extremen Bedingungen wie Hitze, Schnee, Frost und Regen trotzen müssen. Ein weiterer Vorteil, den die Ludwigsburger mitbringen, ist ihr Allround-Service, der von der Standort- und passenden Produktauswahl über das Einholen von Baugenehmigungen und die Montage bis hin zu Wartung und Service geht. Das Streamen von Inhalten geschieht per Computerinterface, das auch Online-Zugriff ermöglicht, die Software wurde selbst entwickelt. Mit diesem Paket hat das Unternehmen in sei-nen Hauptabsatzgebieten Deutschland, Schweiz und Österreich mehr LED-Displays installiert als jedes andere Unternehmen aus diesem Bereich. Und Yilmaz blickt zuversichtlich in die Zukunft: »Wir haben in den letzten drei Jahren jeweils ein Wachstum zwischen 25 und 30 Prozent in diesem schwierigen Markt hingelegt. So langsam zahlt sich die Hartnäckigkeit, mit der wir an uns, unsere Produkte und die Zukunft der LED-Technologie geglaubt haben, aus.« Für 2017 peilt er mit deset deshalb eine Verdoppelung des Umsatzes an, denn er ist überzeugt: »Der ›Run‹ geht jetzt erst richtig los.«

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