Hammer Jubelbrand im Hanix-Magazin No.41

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Den Hammer ausgepackt

Wirtschaft einmal andersrum. In Zeiten, in denen Traditionsmarken oft in der Versenkung verschwinden, hat Markus Weisser den Spieß umgedreht und hat mit Hammer-Jubelbrand eine alte Heilbronner Weinbrandgeschichte wiederbelebt.

Text: Matthias Marquart, Fotos: Ulla Kühnle

Markus Weisser

Gut, dass sich Markus Weisser schon seit seiner Kindheit für Geschichte, speziell für Heilbronner Wirtschafts- und Stadtgeschichte interessiert. Gut, dass der 37-Jährige hartnäckig, zielstrebig und ein wenig »verrückt« ist. Gut, dass er mit seiner Labradorhündin gerne lange Spaziergänge unternimmt, bei denen er auf »verrückte« Ideen kommt und gut auch, dass er eine Frau und Familie hat, die ihn bei all seinen Vorhaben unterstützt und auch bei seinen »Schnapsideen« mitmacht. Denn genau als das, nämlich als »Schnapsidee« im wahrsten Sinne des Wortes, bezeichnete seine Frau Susanne Markus Weissers Vorhaben dem »Jubelbrand«, einer traditionellen und schon nahezu vergessenen Heilbronner Weinbrandmarke, neues Leben einzuhauchen.

Metall und Weinbrand

Doch der Reihe nach: Markus Weisser, am 5. Januar 1979 in Heilbronn geboren, hat nie in Heilbronn, gelebt, sondern ist in Offenau und Bad Friedrichshall aufgewachsen und zur Schule gegangen. Gearbeitet, ja das hat er in Heilbronn. Der Betriebswirt war unter anderem bei der Volksbank Heilbronn, der Kreissparkasse Heilbronn und für Lidl im internationalen Geschäft und damit auch viel im Ausland tätig. 2007 zog es ihn aber wieder endgültig in die Heimat und er gründete mit seinem Schwager eine Metallbaufirma, die BW-Brennschneidtechnik GmbH & Co. KG in Erlenbach. Mittlerweile zählt das Unternehmen 15 Mitarbeiter und Weisser hat dort als Mitinhaber einen Full-Time-Job, bei dem er oft auch »als Mädchen für alles« voll ausgelastet ist. Entspannung findet der Vater zweier Kinder bei seinem Hobby, der Geschichte Heilbronns und bei ausgedehnten Spaziergängen mit seinem Hund in den Weinbergen mit Blick auf die Stadt. Und bei diesen Spaziergängen lässt er seinen Gedanken oft freien Lauf. Weisser lacht und erzählt: »Einmal hab ich darüber nachgedacht, das klassische Heilbronner Gericht ›Böckinger Feldgeschrei‹ als Konserve auf den Markt zu bringen. Das scheiterte dann aber an der Herstellung, die wohl sehr problematisch und schwierig wäre.« Anders verhielt es sich dann aber, als Markus Weisser bei seinen Recherchen über die Stadtgeschichte auf ein altes Traditionsunternehmen stieß – die Landauer & Macholl Branntwein-Brennerei und Likörefabrik Heilbronn. 1861 gegründet, hatte das Unternehmen in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts seine Hochphase erreicht, war als Heilbronner Marke weltweit bekannt, musste dann aber 1981 aufgrund von erhöhter Alkoholsteuer, Absatzeinbrüchen und Investitionsstau seinen Betrieb einstellen. Doch dass diese Marke, als eine der Letzten, die wirklich für Heilbronn stehen und vielen älteren Menschen der Region noch bekannt ist, in der Versenkung verschwindet, wollte der Unternehmer nicht hinnehmen. Weisser: »Bei meinen Spaziergängen verfestigte sich mehr und mehr der Wille und Gedanke die Marke zu erhalten und je mehr ich in die Materie eintauchte, desto mehr wurde mir klar: Da geht was.« Und nachdem auch seine Frau seine »Schnapsidee« abgenickt hatte, machte er sich ans Werk. Markus Weisser: »Der Hammer-Jubelbrand hatte mich infiziert.« Nahezu drei Jahre beschäftigte er sich von da an immer intensiver mit dem ehemaligen Heilbronner Traditionsunternehmen, seiner Geschichte, den Produkten und den Menschen, die dahinterstanden.

Durchgestartet

Für etwa 1.000 Euro sicherte sich Weisser schließlich die Markenrechte des »Jubelbrandes« von der Firma Berentzen. Markus Weisser grinst und sagt: »Mit dem Unternehmen war ich schnell einig, das hat keine zehn Minuten gedauert. Gedauert hat dann das Vertragswerk, das auch wesentlich teurer war als der Markenkauf.« Doch dann konnte es losgehen und Weissers Vision vom Erhalt dieser »Marke für Heilbronn« wurde Schritt für Schritt Realität und so wurde der Metallbauunternehmer auch im Spirituosen-Geschäft aktiv. Und die Mühe hat sich gelohnt. Nachdem er lange nach einer geeigneten Brennerei auf der Suche war, die sowohl die gewünschte Qualität garantiert, als auch in ausreichender Menge herstellen kann, wurde er in Dudenhofen bei Speyer fündig. Dort wird der Jubelbrand in V.V.S.O.P.-Qualität produziert, das heißt, dass jeder Brand bevor er in die Regale kommt, mindestens fünf Jahre im Fass gereift ist. Und das erste Regal, das der Jubelbrand zierte, steht beim Heilbronner Einzelhändler Feinkost Müller. Außerdem bietet Weisser auch einen Kräuter- (der schmeckt ihm persönlich am besten) und einen Williams-Christ-Brand an – hergestellt selbstverständlich nach alter Heilbronner Hammer-Tradition. Die Weine für den Brand kommen dabei aus Württemberg, der Pfalz und Frankreich, das Obst von Streuobstwiesen der Region und die Zutaten für den Kräuterbrand aus ökologisch anbauenden Betrieben. Dabei ist Weisser gerade die konstant hohe Qualität seiner Produkte wichtig: »Wir produzieren kein Billigprodukt und den Jubelbrand wird es nur in der Region geben. Dennoch ist er unter 20 Euro zu haben – das war Voraussetzung für die Herstellung.« Im Vertrieb konzentriert sich der frischgebackene Spirituosenhändler auf Traditionsunternehmen wie eben Feinkost Müller oder auch auf alteingesessene Heilbronner Gastronomie. Das erste Lokal, das nach über 30 Jahren den »Jubelbrand« wieder auf der Karte hat, ist das Mangold. Weisser kann sich auch vorstellen, dass der Jubelbrand für Stadtmarketing und die Bundesgartenschau 2019 als Werbeträger fungieren könnte.

An Ideen mangelt es ihm jedenfalls nicht. »Eine Weinbrand-Praline wäre super. Am besten in Zusammenarbeit mit einer Heilbronner Konditorei«, verrät er eine davon.

Doch zunächst freut er sich darüber, dass es ihm gelungen ist, die Marke Jubelbrand zu erhalten und wieder zum Leben zu erwecken. Markus Weisser: »Mein Traum ist es, das man in ein paar Jahren sagt: Hammer-Jubelbrand – das ist Heilbronn.«

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