Interview K.I.Z. im Hanix-Magazin No.39

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Interview: Friedemann Orths, Fotos: Christoph Voy

»Wir wollen spielen, bis wir rausgeschmissen werden«

Im November sind Maxim, Nico, Tarek und ihr DJ Craft, besser bekannt unter dem Namen K.I.Z, auf großer »Hurra die Welt geht unter«-Tour. Das gleichnamige Album chartete im Juli direkt auf die Eins und ist seitdem nicht nur im Munde alter K.I.Z.-Fans. Auf Tournee machen die Berliner Rapper dabei auch in Mannheim und Stuttgart halt. Aus diesem Grund sprachen wir mit Maxim über das neue Album und die Tour, das Texten, Politik und DIE PARTEI und lüften ein uraltes Geheimnis.

HANIX: Wie gehts dir? Bist du im Festival-Stress?

Maxim: Ich finde Festivals ganz angenehm. Die dauern zwei bis drei Tage, und obwohl wir viele Pressetermine zwischen den Auftritten haben, finden wir trotzdem Zeit, uns auszuruhen. Außerdem können wir bei Festivals ein bisschen was trinken, weil wir nicht so lange durchhalten müssen wie auf Tour. Und wir können uns die anderen Bands anschauen, das finde ich immer schön.

HANIX: Euer neues Album »Hurra die Welt geht unter« ist seit Juli draußen, ihr findet im Feuilleton statt, wart sofort auf Platz 1 der Charts. Trotz oder vielleicht gerade wegen eures neuen, durchaus ernsteren »Stils«. Fühlt sich gut an, oder?

Maxim: Auf jeden Fall! Wir haben uns etwas getraut und etwas Neues ausprobiert. Mit dem großen Erfolg haben wir aber nicht gerechnet. Definitiv eine schöne Erfahrung, wenn man sich etwas traut und dann dafür belohnt wird.

HANIX: Also hattet ihr auch ein bisschen Angst, dass eure alten Fans enttäuscht sein könnten?

Maxim: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das Album so gut ankommen würde. Klar finde ich das Album großartig und wir waren total von ihm überzeugt, aber wir waren uns nicht sicher, wie die Fans es annehmen würden. Die hätten schließlich auch den alten K.I.Z.-Style vermissen können. Dass es nun so positiv aufgenommen wurde, freut mich. Wir haben eben sehr gute Fans!

HANIX: Der große Unterschied zu euren vorherigen vier Alben besteht darin, dass ihr textlich ernster geworden seid und anstelle eures Trademark-Battlerap durchaus gesellschaftskritisch daherkommt. Nicht, dass ihr das nicht vorher auch gewesen wärt. Doch warum jetzt so deutlich und nicht mehr durch die Blume wie noch bei »Sexismus gegen Rechts«?

Maxim: Wir haben uns einfach vorgenommen, die Themen, die ja schon immer auf den Alben präsent waren, komplett durchzuziehen. Wir haben uns also eine kleine Aufgabe gestellt. Eine Art Mutprobe, um uns selbst zu beweisen, dass wir so etwas eben auch können. Was jetzt nicht heißen soll, dass wir die Sachen, die wir vorher gemacht haben, schlecht finden oder nie mehr machen wollen. Ich finde es immer noch zum Grölen, einfach wahllos irgendwelche Mütter, Väter, Schwestern oder Brüder zu beleidigen.

HANIX: Eure neue »Reife«, wie es manche Kritiker nennen, sorgt natürlich dafür, dass ihr nun auch ernstere Themen ansprecht. Beispielsweise in »Verrückt nach Dir«, dessen Text von einem Stalker und nicht erwiderter Liebe handelt. Fällt es euch schwerer solche Texte zu schreiben als eure klassischen Punchlines, in denen es eher ums »Mütterschänden« geht, wie ihr es ausdrückt?

Maxim: Texten ist immer harte Arbeit. Auch beim zehnten Battlesong muss ich Neues erfinden. Wenn man ein Thema schon öfter behandelt hat, dann muss man natürlich beim nächsten Mal schneller, besser und geiler sein. Deshalb kann ich nicht sagen, was mir schwerer oder leichter fällt. Wir haben einen anderen Anspruch beim neuen Album. Auf jeden Fall mag ich die Abwechslung.

HANIX: Mehr zu gesellschaftskritischen Themen: In Zeiten von Pegida, Freital und Angriffen auf Flüchtlingsheime ist es schön, Lines wie Denkt ihr die Flüchtlinge sind in Partyboote gestiegen/Mit dem großen Traum im Park mit Drogen zu dealen? in »Boom Boom Boom« zu hören. Habt ihr eventuell den Anspruch, mit euren Texten in Zukunft die Welt ein Stück weit besser zu machen?

Maxim: Nö. Mit Rapsongs die Welt verbessern zu wollen ist zu hoch gegriffen. Musik sollte immer von Herzen kommen und wir reden nun mal von Dingen, die uns am Herzen liegen. Natürlich würden wir uns freuen, wenn so viele Menschen wie möglich unsere Ansichten teilen würden, da wir diese eben für richtig halten. Aber ich halte mich nicht für einen Missionar oder Prophet, der die Welt mit seiner Musik vor dem Abgrund retten will.

HANIX: Habt ihr denn selbst Kontakt oder Verbindungen zu Flüchtlingen?

Maxim: Ja schon, es gibt familiäre Kontakte. Und wir wohnen ja beim Görlitzer Park in Berlin und haben dort unser Studio. Dort ist auch die Schule in der Ohlauer Straße zum Flüchtlingsheim umfunktioniert worden. Da bekommt man einiges mit. Aber die Thematik war schon immer interessant für uns, da es in unserem Freundeskreis Leute gab, die ständig Angst hatten, am nächsten Tag abgeschoben zu werden. Das waren Begebenheiten, bei denen der deutsche Staat deutlich seine Zähne gefletscht hat.

HANIX: In den neuen Bundesländern, so kommt es in der medialen Berichterstattung rüber, ist die Ablehnung von Flüchtlingen besonders groß. Dabei waren es doch gerade die Bürger der ehemaligen DDR, die selbst zu Flüchtlingen wurden und in ein »neues« Land integriert wurden. Haben diese Menschen aus ihrer eigenen Geschichte nichts gelernt?

Maxim: Grundsätzlich macht einen eine reine Erfahrung ja nicht schlauer. Man muss sich dieser Erfahrung stellen. Und zur Zeit der Wende, oder eigentlich schon vor der Wende, wurde diesen Leuten ein extremer Nationalismus eingetrichtert. Als die DDR dann wieder zu Deutschland gehörte, wurde den Menschen ständig vorgetragen, dass sie jetzt Deutsche sind. Und dass sie als Deutsche Rechte und vor allem Vorrechte gegenüber Leuten, die keine Deutschen sind, haben. Deshalb sehe ich dort eigentlich keinen Widerspruch. Dieser neue Nationalismus, der den Menschen penetrant eingehämmert wurde, sorgte dafür, dass die Leute das jetzt ernst nehmen. Da wundert es mich nicht, dass manche diesen Nationalstolz jetzt viel zu ernst nehmen und nicht mehr nur Lena Meyer-Landrut oder die Nationalmannschaft feiern.

HANIX: Womit wir wieder bei ganz Deutschland wären …

Maxim: Genau. Ich muss dazu sagen, dass viele Menschen nur ein Problem mit dem »hässlichen Deutschen«, diesem »Standard-Nazi«, haben. Die haben etwas gegen die Prolls und denken, unter den gebildeten Menschen gäbe es keine Nazis. Und das halte ich für eine sehr elitäre Denkweise. Es liegt nämlich nicht unbedingt an der Dummheit der Leute, dass sie zu Nazis werden, sondern daran, dass sich diese Menschen bestimmte Gedanken zurechtlegen. Und diese Gedanken erkenne ich in jeder Gesellschaftsschicht. So sind bei Pegida eine Menge gebildeter Menschen mitgelaufen. Und das ist nicht nur ein Problem, das im Osten auftritt.

HANIX: Zumindest Nico und du seid ja in der Vergangenheit schon Kandidaten für »DIE PARTEI« gewesen. Allerdings scheint ihr auf die schiefe Bahn geraten zu sein und posiert nun in diktatorisch anmutenden Militär-Outfits. Man käme schnell auf die Idee, Satire hinter euren politischen und musikalischen Aktivitäten zu vermuten. Ihr spielt gerne mit Satire und Ironie, oder?

Maxim: Nee. Wir sind der PARTEI schon immer nah gewesen, weil sie auch eine autoritäre Struktur hat. Dort ist jedem klar, wer das Sagen hat. Wir nutzen lediglich den demokratischen Apparat für unsere Machtübernahme und bleiben deshalb auch unserer Linie treu. Obwohl sich doch einige Parteimitglieder etwas im demokratischen Sumpf verloren haben.

HANIX: Wie lange benötigt ihr für eure Texte? Habt ihr in diesem Sinne feste »Arbeitszeiten« oder ist das ein laufender Prozess?

Maxim: Feste Arbeitszeiten haben wir uns schon vorgenommen und uns dann zu bestimmten Zeiten getroffen, aber das wird meistens nix. Entweder hat man ziemlich schnell keinen Bock mehr oder macht drei Tage durch. Und wir arbeiten schon sehr lange an einem Text. Da wird zuerst ein Grundtext geschrieben und dann sagt jemand von uns was dazu, also was er scheiße und was er gut findet und so weiter. Wir haben da eine sehr strikte Qualitätskontrolle.

HANIX: Und die Qualitätskontrolle wird nur von euch durchgeführt?

Maxim: Ja. Klar, manchmal zeigt man das Mal einem Manager oder anderen Musikerkumpels, aber Nico und Tarek sind die Einzigen, von denen ich mir Kritik wirklich zu Herzen nehme. Kritik von anderen höre ich mir natürlich auch an, aber die hilfreichste Kritik kommt immer von den beiden. Untereinander ergänzen wir uns da sehr gut.

HANIX: Und was passiert, wenn ihr euch mal uneinig seid? Also wenn ihr die Reime von jemandem einfach schlecht findet oder sie euch nicht gefallen? Kommt so etwas manchmal vor?

Maxim: Das kommt ab und an mal vor, aber wir verbieten uns untereinander nichts. So etwas ist noch nie vorgekommen. Manchmal ist einer von etwas total überzeugt, aber ein anderer findet, dass es doch nicht so geil ist. Bei genauerer Betrachtung merkt jeder von uns meistens schnell selbst, dass an der Meinung des anderen was dran ist, und schleift von sich aus weiter am Text. Wir reden uns gegenseitig aber nichts aus und sind da ziemlich locker. Wir sind eben ziemlich coole Typen.

HANIX: Vorletzte Frage: Promote eure Tour! Was erwartet die Fans bei euren Auftritten?

Maxim: Ja! Gerade hatte ich deswegen ein Treffen und wir haben uns wegen der Tour beraten, was wir dort machen könnten. Das kann ich jetzt natürlich nicht alles verraten. Allerdings werden wir vorher mal wieder richtig proben, was wir echt selten machen. Wir werden uns überlegen, wie wir die neuen Songs, die wir jetzt auf den Festivals noch nicht so oft gespielt haben, auf der Tour performen werden. Wir überlegen uns ein paar Showeinlagen und hoffen, dass wir so lange wie möglich spielen dürfen. Bis wir rausgeschmissen werden.

HANIX: Da das Interview jetzt beendet ist, noch eine letzte Frage, bei der ich es verkraften kann, wenn du sofort auflegst. Die Frage, die nach selbst mehrminütiger Recherche in den Untiefen des Internets kaum vorzeigbare Ergebnisse brachte: Wofür steht K.I.Z. eigentlich?

Maxim: K.I.Z. steht vor allen Dingen für Liebe.

HANIX: Und die Abkürzung, die Buchstaben?

Maxim: Das habe ich vergessen. Wir hatten das irgendwann mal aufgeschrieben, aber aus dem Zettel hat sich irgendjemand einen Joint gedreht und ihn geraucht. Deshalb wissen wir selbst nicht mehr, was die Abkürzung bedeutet.

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