Nico Weinmann im Hanix-Magazin No.42

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»Groß genug, um städtisch zu sein, klein genug, um charmant zu sein«

Nico Weinmann übernahm 2013 das Amt des Vorsitzenden des Verkehrsvereins Heilbronn. Wir sprachen mit dem frischgebackenen Landtagsabgeordneten über Tradition und Modernisierung, die Vielfalt der Region und den Tourismus.

Hanix: Herr Weinmann, der Heilbronner Verkehrsverein feiert kommendes Jahr 125-jähriges Bestehen. Ein Verein mit langer Geschichte …

Nico Weinmann: Gegründet wurde der Verein 1892 als Verschönerungsverein, der sich zur Aufgabe gemacht hatte, Wandern als Erziehungsmethode für Jugendliche nutzen zu können. Der Verein wies erstmals Wanderwege aus und an Bahnhöfen wurde für das Wanderziel Heilbronn geworben. Auch ein Hotel- und Gaststättenverzeichnis wurde aufgelegt. Im Laufe der Jahre wurde der Verein immer touristischer und so benannte man sich 1908 in den »Verkehrsverein Heilbronn« um. In der weiteren Entwicklung organisierte der Verein zusätzliche Veranstaltungen und Feste, bis 1999 die Heilbronn Marketing GmbH gegründet wurde. Die Veranstaltungen und Feste wurden damals auf die GmbH übertragen, der Tourismusverein ist nun der ideelle Partner der Veranstaltungen der Heilbronn Marketing.

Hanix: Auf den Fahnen des Vereins stehen: »Förderung, Pflege und Betreuung des heimatlichen Brauchtums.« Wie nah am Zeitgeist ist der Verkehrsverein? Oder anders gefragt: Ist das Konzept und die Intention des Vereines noch zeitgemäß oder steht eine Neuausrichtung an?

Nico Weinmann: Um die Zukunft gestalten zu können, muss man seine Wurzeln kennen. Deshalb benötigen wir eine Symbiose von Tradition und Neuem. Es ist wichtig, Tradition zu wahren, aber gleichzeitig Veranstaltungen attraktiver zu gestalten, sie dem Zeitgeist anzupassen. Wie beispielsweise den Blumenschmuckwettbewerb, den wir durch die Beteiligung von Schulen und Kindergärten in den letzten Jahren verjüngt haben. Auch das traditionsreiche Käthchen von Heilbronn haben wir modernisiert. Einiges ist also im Umbruch, wir möchten einfach neue Dynamik in die Sache bringen.

Hanix: Ein Blumenschmuckwettbewerb klingt nicht gerade trendy. Was macht der Verkehrsverein für junge Menschen unter 50 Jahren? 

Nico Weinmann: Einer der großen Erfolge, die sich der Verkehrsverein auf die Fahnen schreiben kann, ist die Entwicklung der Unteren Neckarstraße zur Gastromeile. Da haben wir ein großes Zeichen gesetzt. Insbesondere das Thema »Stadt am Fluss« haben wir intensiv vorangetrieben.

Hanix: Wir glauben, dass kaum jemand weiß, dass der Verkehrsverein maßgeblich an der Entwicklung der Gastromeile beteiligt war. Muss der Verein an seiner Kommunikation arbeiten?

Nico Weinmann: Dieses Feld haben wir in den letzten Jahren etwas stiefmütterlich behandelt. Das liegt daran, dass wir als ehrenamtlicher Verein nur begrenzte finanzielle Möglichkeiten besitzen. Andererseits haben wir uns nicht in den Vordergrund gestellt. Wir haben jetzt einen ersten Schritt mit unserer relativ jungen Homepage gemacht, die wir sukzessive ausbauen wollen. Wir wollen das Thema jetzt anpacken!

Hanix: Wie viele Mitglieder des Vorstandes und Beirates sind unter 40 Jahren?

Nico Weinmann: Das kann man an einer Hand abzählen. Klar, die Altersstruktur lädt zum Nachdenken ein. Wir haben zwar mit 300 Mitgliedern einen der mitgliederstärksten Verkehrsvereine in Baden-Württemberg, aber er ist kein Selbstläufer mehr. Und das erreichen wir nur durch unter anderem eine ordentliche Außendarstellung.

Hanix: Wieso fällt es so schwer, junge Menschen miteinzubeziehen?

Nico Weinmann: Ich bin ja selbst in verschiedenen Ehrenämtern tätig und glaube, es ist generell schwierig, junge Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen. Bei projektbezogenen Aufgaben geht das leichter, weil zeitlich beschränkt. Bei dauerhaftem Engagement ist es deutlich schwerer. Aber bei den Veranstaltungen, die wir begleiten, sehe ich Potenzial, um junge Leute mit ins Boot zu holen.

Hanix: Die kommenden Jahre – nicht nur wegen der nahenden Buga 2019 – werden aus touristischer Sicht spannend für Heilbronn. Ein neuer Markenkern soll entwickelt werden und Heilbronn als auch das Heilbronner Land wollen sich zum attraktiven Reiseziel mausern. Welche Rolle fällt dem Verkehrsverein dabei zu und wie sieht das Selbstverständnis des Vereines bei der kurzfristigen touristischen Weiterentwicklung Heilbronns aus?

Nico Weinmann: Die Buga bietet eine einmalige Chance, den Tourismus in der gesamten Region neu aufzustellen, zu vernetzen und Werbung für unsere Region zu machen. Dabei wollen wir helfen. Wir sind auch das erste Mitglied im Förderverein der Buga2019 GmbH. Insbesondere beim Thema Wein wollen wir mit einer Verbindungsfunktion zwischen Buga und Weinwirtschaft dafür sorgen, dass das Thema gut verankert wird und zur Geltung kommt. Wir befinden uns in einem ständigen Dialog und haben das Ziel, durch Veranstaltungen und Anreize außerhalb des Buga-Geländes die Menschen dazu zu bewegen ein zweites oder drittes Mal den Weg nach Heilbronn zu finden.

Hanix: Ist es aus Ihrer Sicht eine schwere Aufgabe, Heilbronn touristisch zu vermarkten – gerade gegen solch nahegelegene touristische Konkurrenz wie Stuttgart, Heidelberg, Tübingen oder den Schwarzwald?

Nico Weinmann: Heilbronn hat unglaublich viel Charme. Gerade aufgrund der Größe, dem Einzelhandel, der Gastronomie und natürlich dem Neckar, der durch die Stadt fließt. Um uns herum liegen die Weinberge und es gibt Naherholungsziele, die so facettenreich sind, dass für Jung und Alt alles geboten ist. Wir tun gut daran, für unsere Stadt und ihre Umgebung Werbung zu machen. Hier ist großes Potenzial vorhanden. Es muss gelingen, dass die geschätzten 2,2 Millionen Besucher der Buga alles, was Heilbronn und seine Umgebung zu bieten hat, positiv wahrnehmen. Dafür müssen wir alle zusammenstehen und die Region als Ganzes begreifen.

Hanix: Fällt das den Städtern nicht schwer?

Nico Weinmann: Der alte Reichsstädter tut sich vielleicht noch schwer damit, sich auf eine regionale Ausrichtung einzulassen. Ich bin sicher, dass die Vernunft siegen wird. Wir müssen ein ganzheitliches Angebot schaffen. Denken Sie zum Beispiel an das Schwäbisch-Hällische Landschwein, eine kulinarische Besonderheit, die wir aufgreifen sollten. Die Vielfalt innerhalb der 111 Städte und Gemeinden macht den Regionscharakter aus, den wir nach außen positiv vermarkten müssen.

Hanix: Ist Heilbronn überhaupt schon so weit, auf dem Tourismusfeld Gas zu geben? Immerhin mangelt es noch deutlich an Übernachtungsangeboten in der Stadt, die auch noch eine gewisse Qualität mit sich bringen sollen.

Nico Weinmann: Aufgrund des starken Fokus auf Wirtschaft, Hochschule und Städtebau, gerät das gute touristische Angebot aus dem Blick. Aber der Tourismus ist ein unglaublich wichtiger Wirtschaftszweig. Gerade bei größeren Veranstaltungen wird deutlich, dass die Kapazität an Betten verbesserungsbedürftig ist. Wir haben die Zeichen erkannt: Mit dem Hotelneubau im Stadtpark oder im Technologiezentrum Wohlgelegen und mit konkreten Überlegungen an anderen Standorten wird Heilbronn hier bis 2019 erheblich an Kapazitäten zulegen. Mit dem Bau der experimenta II erhoffen wir uns den sogenannten Bilbao-Effekt. Auch wenn es etwas abgedroschen klingt: Keine Stadt in Deutschland hat momentan diese Dynamik, wie Heilbronn sie zum Ausdruck bringt.

Hanix: Das größte Pfund, mit dem Heilbronn touristisch wuchern kann, ist … ?

Nico Weinmann: … der Facettenreichtum und die sich daraus ergebenden Spielräume und Möglichkeiten. Zum einen haben wir den Neckar. Dort planen wir momentan mit einer Projektgruppe, den Bereich am Alt-Neckararm aufzuwerten. Genauso verhält es sich beim Thema Wein: Steht man auf dem Kiliansplatz oder der Kaiserstraße, hat man doch das Gefühl, dass die Reben bis in die Stadt hineinwachsen. Zusätzlich wird Heilbronn durch die Entwicklung im Hochschulbereich bunter und jünger.

Hanix: Wenn Sie selbst auf Reisen sind und jemand nach Ihrer Heimatstadt fragt, wo verorten Sie Heilbronn?

Nico Weinmann: 50 kilometres north of Stuttgart! (lacht) Aber das ist dann meistens in Ländern, in denen Deutschland oder deutsche Geografie keine große Rolle spielen.

Hanix: Und wie beschreiben Sie unsere Heimat im Aus- aber auch Inland?

Nico Weinmann: Ganz klar – viele Deutsche kennen Heilbronn von den Staumeldungen im Radio. Meine erste Antwort ist aber immer: Heilbronn ist groß genug, um städtisch zu sein, aber klein genug, um charmant zu sein. Ausführlicher beschreibe ich dann unsere Festkultur, den Wein und vor allem eins: die Menschen. Wir haben in Heilbronn einen besonderen Schlag Mensch, der weltoffen, bodenständig und freundlich ist. Das sieht man jetzt beispielsweise an der Flüchtlingskrise – es gibt nur wenige Städte, die derart gut und unkompliziert mit dem Thema umgehen. Und das fraktionsübergreifend im Gemeinderat und in der Verwaltung.

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