Wirtschaft “Tripsdrill” im Hanix-Magazin No.39

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Interview: Matthias Marquart, Fotos: Ulla Kühnle (www.freiraum-photos.de)

Ein Park als Passion

Tripsdrill – das sind 77 Hektar Erlebnis pur. Eine Erfolgsgeschichte, die vor 86 Jahren mit der Altweibermühle begann. Heute verfügt Deutschlands erster Erlebnispark über mehr als 100 Attraktionen, zählt jährlich über 720 000 Besucher und neben 80 ganzjährig angestellten Mitarbeitern finden dort während der Saison etwa 240 Menschen Arbeit. Ein Gespräch mit Tripsdrill-Geschäftsführer Helmut Fischer.

Hanix: Wann sind Sie hauptberuflich im Erlebnispark eingestiegen? War das schon immer Ihr Wunsch?

Helmut Fischer: 1996 habe ich die Geschäftsführung zusammen mit meinen Brüdern Dieter und Roland von unserem Vater Kurt übernommen, doch im Betrieb haben wir schon von klein auf ausgeholfen und mitgearbeitet. Schon als Bub, wenn ich auf dem Heimweg von der Schule war und sah, dass sich die Flügel der Altweibermühle drehten, wusste ich: Es ist Betrieb und wir helfen mit. Roland hinter der Theke, Dieter bei den Tieren und ich meist an den Attraktionen. Ich fand das immer toll, wenn ich eine der Attraktionen des Parks bedienen durfte, aber auch an der Kasse oder in der Gastronomie habe ich gerne mitgearbeitet. Insofern stand nie infrage, ob ich etwas anderes machen wollte. Wir alle sind da reingewachsen und es war klar, dass wir den Betrieb einmal übernehmen würden.

Hanix: In der langen, 86-jährigen Geschichte des heutigen Erlebnisparks gab es viele Höhen und Tiefen. Was waren ihre unternehmerischen Highlights beziehungsweise Tiefschläge?

Helmut Fischer: Der größte Tiefschlag war mit Sicherheit der, als die 1929 von meinem Großvater Eugen Fischer erbaute erste Altweibermühle 1946 nach einem Blitzschlag in Flammen aufging. Als mein Vater aus dem Krieg zurückkam – der Opa blieb in Stalingrad vermisst – baute er die Mühle mit meiner Mutter wieder auf. Das war der Grundstein für den heutigen Erlebnispark, der seitdem Stück für Stück gewachsen ist. Ein besonderer Höhepunkt war dabei sicherlich die Einweihung unserer Katapult-Achterbahn »Karacho« 2013, aber auch sonst war jede neue Attraktion im Park für mich ein ganz eigenes Highlight.

Hanix: Worin liegen aus Ihrer Sicht die größten Unterschiede im Vergleich zu anderen Vergnügungsparks?

Helmut Fischer: Wir sind der älteste Erlebnispark Deutschlands und der Zweitälteste Europas. Und diese Tradition macht sich bemerkbar. Unser Motto lautet: Qualität, Authentizität, Originalität. Wir legen viel Wert darauf, dass wir alle Attraktionen harmonisch in den Park, die Natur und Landschaft integrieren. Bei uns sollen sich die Besucher auch erholen und entspannen können, weshalb wir auf Musik und Werbung im Park nahezu gänzlich verzichten. Statt einer Reizüberflutung entsteht so ein einzigartiges Flair. Außerdem spielt die Thematisierung und Regionalisierung der Attraktionen bei uns eine große Rolle. Die Baumstämme beim Doppelten Donnerbalken wurden zum Beispiel von einer echten Eichenrinde abgegossen, das Sägewerk um die Holzachterbahn stammt aus Bönnigheim, das Waschhaus erinnert an längst vergangene Zeiten und auch das Weinbaumuseum spiegelt die Region, um nur einige Beispiele zu nennen.

Hanix: Tripsdrill ist ein klassischer Familienbetrieb. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich? Wie sind die Geschäftsbereiche bei Ihnen in Cleebronn aufgeteilt? Und war ihr Familienbetrieb vor internen Zwistigkeiten gefeit?

Helmut Fischer: Der große Vorteil eines Familienbetriebes liegt in den kurzen Wegen und der Möglichkeit, jederzeit schnell und flexibel entscheiden zu können. Große Parkkonzerne tun sich da aufgrund ihrer oft sehr komplexen Strukturen wesentlich schwerer. Und auch wenn es bei uns ab und an Meinungsverschiedenheiten gibt, sind diese schnell beigelegt – da ist keiner nachtragend oder sauer. Bei der Aufteilung der Geschäftsbereiche gab es zu keiner Zeit Differenzen. Jeder von uns hat seit frühester Jugend an seine Leidenschaft und Passion ausgelebt. Nach der Schule habe ich deshalb auch in Heilbronn Touristik studiert. Mein Bruder Roland hat eine klassische Ausbildung zum Koch und Restaurantfachmann absolviert und zeichnet sich für den gastronomischen Bereich Tripsdrills verantwortlich. Dieter hat sich immer schon für Tiere und die Natur interessiert und folgerichtig in der Stuttgarter Wilhelma eine Ausbildung zum Tierpfleger gemacht. Er kümmerte sich von 1996 bis zu seinem Ausscheiden 2014 als Geschäftsführer um das Wildparadies sowie die Gärtner- und Landschaftsabteilung. Diesen Bereich hat seitdem sein Sohn Andreas übernommen.

Hanix: Wie wichtig ist Ihnen Familie?

Helmut Fischer: Familie hat für mich einen extrem hohen Stellenwert. Das ergibt sich auch schon aus der Natur der Sache.

Hanix: Als Geschäftsführer eines Erlebnisparks – bleibt man da immer ein Kind beziehungsweise muss man das bleiben?

Helmut Fischer: Na ja, kindisch darf man nicht sein (grinst). Aber klar, man muss sich vor allem in Kinder aber auch in Jugendliche und Erwachsene hineinversetzen können, genau beobachten und erkennen, welche Bedürfnisse gefragt sind und was vielleicht noch fehlen könnte.

Hanix: Woher bekommen Sie Ihre Ideen für neue Attraktionen?

Helmut Fischer: Wir entwickeln alle Attraktionen selbst, denn uns ist jedes Detail wichtig. Anregungen bekommen wir da genügend in der Region, manchmal auch von Besuchern oder von anderen Parks. Dabei laufen wir aber nicht jedem Trend nach. Was nicht zu uns passt, hat bei uns auch nichts verloren. Wir sind wohl unvergleichbar, wenn es darum geht, wie der Park die regionale Geschichte aufnimmt und umsetzt. Außerdem arbeiten wir ohne Kulissen – bei uns ist alles echt. Wenn wir eine Idee haben, arbeiten wir mit Planern zusammen, die internationale Erfahrung haben. Bis dann die neue Attraktion gebaut und umgesetzt wird, können Jahre vergehen.

Hanix: Haben Sie einen Lieblingsplatz im Park?
Helmut Fischer: Mein Lieblingsplatz ist meist dort, wo die neueste Attraktion zu finden ist.


Hanix: Zum Abschluss des Gesprächs noch fünf kurze Fragen. Viel Zeit für privaten Müßiggang werden Sie nicht zur Verfügung haben. Trotzdem: Was sind Ihre Hobbys und wie entspannen Sie sich?

Helmut Fischer: Der Park ist mein Hobby. Abends, wenn alles abgeschlossen ist, mache ich gerne noch eine Runde durch den Park und das Wildparadies. Vor allem dort kann ich gut abschalten und entspannen.

Hanix: Was bringt Sie zum Lachen?

Helmut Fischer: (Grinst) Da gibt es vieles – vor allem aber Comedians wie Bülent Ceylan, den ich in seinen Anfängen im Bönnigheimer Kulturkeller live erlebt habe.

Hanix: Was nervt Sie?

Helmut Fischer: Mangelnde Loyalität und Hinterlistigkeit.

Hanix: Wovor haben Sie Angst?

Helmut Fischer: (Lacht) Also das hat mich noch niemand gefragt – vielleicht vor dem Bösen Wolf.

Hanix: Wobei werden Sie schwach?

Helmut Fischer: Sahnetorte.

Hanix: Was sind Ihre Ziele – beruflich, privat – haben Sie noch Träume und Wünsche?

Helmut Fischer: Mein Ziel ist es den Park weiter auszubauen, die Anzahl der Übernachtungs- und Zweitagesgäste zu erhöhen und auch in Zukunft viele zufriedene Gesichter unter den Besuchern zu sehen. Vor allem Letzteres ist mir wichtig. Privat würde ich gerne mal richtig Urlaub machen. Den Letzten hatte ich in den 70er-Jahren beziehungsweise bei Besuchen anderer Parks in Europa oder den USA – immer verbunden mit Terminen und Arbeit. Einmal sechs Wochen Sommerurlaub im Campmobil in unberührter Natur – das wäre schon noch ein Wunsch von mir. Skandinavien oder Kanada würde mir gefallen.

INFO:

Helmut Fischer ist am 17. Juli 1954 geboren und ist Vater zweier Söhne.

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