Theater Heilbronn Boxx 09.06.2015

Tortuga

Tortuga ist nicht nur eine berühmte Pirateninsel in der Karibik, die den Freibeutern im 17. Jahrhundert als Versteck diente. Tortuga – diesen Namen trägt auch das Schiff, das die  Piratin  Mary- Anne O`Malley zum Kapitän hat und das diesem Theaterstück für Kinder seinen Titel gibt. »Tortuga« erzählt die abenteuerliche und ungeheuerliche Mär von dieser Frau. Sie war nicht klug nur wie ein Mann, nein, sie war doppelt schlau. Mary-Anne O’ Malley: Fast ihr ganzes Leben lang hat sie sich als Mann ausgegeben. Denn als Mann hatte man im 17. Jahrhundert einfach die besseren Chancen. Deshalb gibt ihre Mutter sie schon im Babyalter als Sohn aus, verpasst »ihm« den Namen William und lässt das Kind von der Großmutter erziehen. Als diese stirbt, sucht sich Mary-Ann schon mit 13 Jahren eine Arbeit, wieder als Junge, weil sie als Mädchen keine bekommen hätte. Später heuert sie als Schiffsjunge auf einem Kriegsschiff an, immer mit der Angst im Nacken, entdeckt zu werden, was damals mit dem Tod bestraft worden wäre. Sie lernt das Fechten und erweist sich darin als äußerst talentiert. Dem Schiffskoch gibt sie sich zu erkennen, sie verlieben sich, gehen heimlich von Bord und eröffnen eine Hafenkneipe. Doch der Koch hat ein schwaches Herz, stirbt früh und Mary-Anne verwandelt sich wieder in William O`Malley. Sie heuert auf einem Sklavenschiff an, das von dem berühmten Piraten Calico Jack angegriffen wird. Auf dem Schiff  möchte sie mitsegeln, weil sie frei sein und ein kurzweiliges Leben führen will. Dank ihrer Klugheit machen die Piraten von Calico Jack eine fette Beute nach der anderen und wählen Mary-Anne als Frau zum Kapitän der »Tortuga« …
Piratenköniginnen gab es übrigens wirklich zu jener Zeit – sogar mehrere. Und weil in diesem Stück allerhand Seemannsgarn gesponnen, also auch ein bisschen geflunkert wird, sind hier die Lebensläufe zweier großer Piratinnen in einer Person vereint: Mary Read, englische Piratin und Abenteurerin (1685-1721) und Anne Bonny (* um 1690), die beide auf dem Schiff von Jack Rackham alias Calico Jack gewesen sind. Doch »Tortuga« ist noch mehr als ein rasant erzähltes Piratenabenteuer; es ist zugleich eine nachdenkliche Geschichte über das Finden der eigenen Rolle in der Welt und ein Plädoyer dafür, das Leben auszukosten und sein Schicksal in die Hand zu nehmen.  Stephan Beer (Regie) und  Dorothee Neuling (Ausstattung) zeigen mit »Tortuga« ihre erste Arbeit am Theater Heilbronn. An anderen Häuser haben die beiden schon mehrfach zusammengearbeitet. Sie sind ein eingespieltes Team. Bei »Tortuga« standen sie vor der Herausforderung, mit kleinen Versatzstücken in Windeseile buchstäblich die ganze Welt zu erzählen. Denn in dem Stück wimmelt es nicht nur von Rollen, in die vor allem Ferdinand Seebacher mit Hilfe vieler Kostümteile schlüpfen muss. Mit wenigen Handgriffen werden auch die verschiedensten Schauplätzen geschaffen: England und die Insel Tortuga etwa, außerdem gleich zwei Schiffe, eine Kneipe und sogar ein Badehaus mit echter Badewanne kommen vor. Auf den Proben entwickeln Stephan Beer und die Schauspieler mit viel szenischem Erfindungsreichtum eine Spielform, die die Fantasie kleiner und großer Zuschauer auf Touren bringt. Dazu trägt von Anfang an auch Nicolas Kemmer bei, der mit Julia Apfelthaler und Ferdinand Seebacher Seemannslieder einstudiert.

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