Theater Heilbronn Boxx 12.06.2015

Anne und Zef

Was gibt es im Alter von 15 Jahren Schöneres, als mit Freunden zusammen zu sein, die Liebe zu entdecken und die Welt für sich zu erobern? Unvorstellbar, wie es ist, wenn man sich in diesem Alter verstecken muss und das Haus nicht verlassen darf. Zef Bunga lebt in Albanien und ist seit zwei Jahren in seinem Haus eingesperrt, weil in seiner Heimat das Gesetz der Blutrache herrscht und seine Familie seit 10 Jahren in Blutfehde mit einer früher befreundeten Nachbarsfamilie lebt. Sobald er das Haus verlässt, schwebt er in Lebensgefahr. Während Zefs Vater aus diesem Wahnsinn aussteigen will, beugt sich seine Mutter bedingungslos dem alten, mündlich überlieferten Gesetz des Kanun, das seit dem Mittelalter das Zusammenleben der Menschen in Albanien regelt. Jeder Tod wird mit einem neuen Mord gerächt, es hört nie auf: »Blut um Blut«. Als Zef es in seiner Isolation nicht mehr aushält und er das Haus verlässt, erschießt ihn der Nachbarssohn, der früher sein bester Freund war. Nach seinem Tod trifft auf ein Mädchen, das ihn bezaubert und ihm merkwürdig bekannt vorkommt. Ja natürlich, es ist Anne Frank, deren Tagebücher er in seiner eigenen Gefangenschaft gelesen hat – mit immer größerer Faszination, weil sie in ihrem Versteck in einem Amsterdamer Hinterhaus ähnliche Erfahrungen beschrieben hat, wie er sie erlebte. Auch sie war zwei Jahre lang eingesperrt, bevor ihr Versteck verraten wurde und die Familie ins Konzentrationslager kam, wo Anne Frank an Typhus starb. Die beiden sind Schicksalsgenossen. Sie erzählen sich ihre Geschichten, entwickeln Vertrauen zueinander und verlieben sich. Der niederländische Autor Ad de Bont kombiniert das durch ihr Tagebuch weltberühmt gewordene Schicksal von Anne Frank mit dem eines der vielen Jungen aus Albanien, die sich jahrelang wegen Blutrachefehden ihrer Familien versteckt halten müssen – rund 20 000 junge Männer sollen betroffen sein. Für »Anne und Zef« erhielt Ad de Bont im März 2010 den 12. Niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis. In der Begründung der Jury heißt es: »Die Wahl, diese beiden großen Geschichten zu verknüpfen, ist ebenso überraschend wie genial. Zwei junge, zerbrochene Leben können im Kontext dieses Stückes noch eine Weile weiter träumen, noch einen kleinen Teil der Schönheit dessen, was ihr Leben war, genießen. […] Der Text ist aufrüttelnd in seinen aufgezeigten Gegensätzen, klar in seinen leidenschaftlichen Darlegungen und humorvoll durch einige fast kabaretthafte Darbietungen. Es ist sorgfältig komponiert und ein neuer Höhepunkt in der Karriere von de Bont. Wir können nicht anders, als diesem brillanten, ergreifenden Text den ersten Preis zu geben. anne und zef ist gegenwärtig und unvermeidlich. anne und zef ist eine Ode an Träume, die nie verfliegen.«

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