Theater Heilbronn Großes Haus 09.04.2015

Antigone

Fast 2500 Jahre kennt die Menschheit den Mythos von Antigone, der Tochter des Ödipus. Drei große Dichter der griechischen Antike: Sophokles, Euripides und Aischylos, haben ihn in ihrem Werk verarbeitet. Und noch immer fasziniert uns dieser unauflösbare Konflikt zwischen Recht und Gewissen, dieses Aufeinanderprallen zweier gleichberechtigter Positionen und bietet die Folie für zeitlose gesellschaftspolitische Diskussionen. »In diesen alten Texten sind unglaubliche Kräfte gespeichert: ein Wissen über den Menschen, seine Situation in der Welt, seine Fragilität…«, sagt John von Düffel, einer der wichtigsten Theaterautoren unserer Tage und Autor der Heilbronner Antigone-Fassung. Johanna Schall bringt die »Antigone« in Heilbronn auf die Bühne. Die Regisseurin hat sich nicht für eine der bekannten Bearbeitungen des antiken Stoffes entschieden, die von Hölderlin über Anouilh und Brecht bis Walter Jens reichen. Sondern sie hat den Autor und Dramaturgen John von Düffel gebeten, eine eigene Fassung zu erarbeiten, welche die Hintergründe des Konfliktes mit erzählt und szenisch auf die Bühne bringt. »Denn Ereignisse sind nicht plötzlich da, sondern sie haben eine Vorgeschichte«, sagt die Regisseurin. Außerdem wollte sie auf diese Weise die Gleichberechtigung der sich im tödlichen Widerstreit befindlichen Positionen von Kreon und Antigone deutlich machen. Es gibt kein Gut und Böse, kein richtig und falsch, wohl aber Ursache und Wirkung, die den Lauf der Ereignisse bedingen. John von Düffel hat für seine Fassung die Werke der drei großen griechischen Tragödienautoren herangezogen und kombiniert: von Aischylos »Sieben gegen Theben«, von Sophokles »Antigone« und von Euripides »Die Phönizierinnen«. Antigone stammt aus einer verfluchten Familie. Ihr Vater Ödipus ist jener König von Theben, der zunächst unwissend seinen eigenen Vater umbrachte und dann ebenso nichtsahnend der Gatte seiner eigenen Mutter Iokaste wurde und vier Kinder mit ihr zeugte. Neben Antigone und ihrer Schwester Ismene sind das auch die Brüder Polyneikes und Eteokles. Als Ödipus von diesem ungeheuren Frevel erfuhr, blendete er sich und verließ das Land. Seine Kinder übergab Ödipus an Iokastes Bruder Kreon. Die Herrschaft über Theben sollten sich seine Söhne Polyneikes und Eteokles teilen und immer im Wechsel das Land führen. Doch Eteokles, der als Erstes über Theben herrscht, kann sich von der Macht nicht trennen und vertreibt Polyneikes. Wütend versammelt der ein Heer und zieht gegen Theben. Die Stadt wird gerettet, weil Menoikeus, Kreons jüngster Sohn, sich selbst opfert. Kreons Trauer ist grenzenlos. Im Kampf Bruder gegen Bruder töten sich Eteokles und Polyneikes gegenseitig – wie es Odipus in seinem Fluch vorhergesagt hat. Und hier beginnt die Tragödie der »Antigone«. Kreon, der bisherige Ratgeber der Herrscher, wird nun seinerseits König von Theben und ordnet, um Stärke als neuer Machthaber zu beweisen, an, nur Eteokles, der für Theben gekämpft hatte, die Ehre eines Begräbnisses zu erweisen. Der Leichnam von Polyneikes hingegen, der gegen Theben in den Krieg gezogen war, soll den wilden Tieren und Vögeln als Fraß vorgeworfen werden. Kreon droht jedem mit dem Tode, der sich diesem Willen widersetzt. Doch Antigone trauert nicht nur um beide Brüder gleichermaßen, sondern hält es auch für ein göttliches Gesetz, die Toten zu bestatten. Sie möchte ihre Schwester Ismene überzeugen, mit ihr gemeinsam Polyneikes zu beerdigen. Aber Ismene wagt es nicht, sich dem Willen des Herrschers zu widersetzen. Antigone schert sich nicht darum und tut das, was sie für richtig hält. Kreon lässt sie bei lebendigem Leib einmauern. Nichts kann ihn davon abhalten. Weder Antigones Appelle, noch die Versuche seines Sohnes Haimon, des Verlobten Antigones, der Kreon warnt, dass er damit das Volk gegen sich aufbringt. Erst der blinde Seher Teiresias, der ihm eine schreckliche Rache der Götter prophezeit, bringt Kreon zum Einlenken. Doch die Tragödie nimmt ihren Lauf … Kreon ist eigentlich ein pflichtbewusster Herrscher, der als früherer Ratgeber klug entschieden hat und dessen oberstes Interesse als neuer Machthaber nun die Wiederherstellung der Ordnung nach dem Krieg ist – deshalb auch die Weisung, den Staatsfeind nicht zu bestatten. Er verfolgt das vermeintliche Staatsinteresse bis zum Äußersten und ist gegen jeden Widerspruch und gegen jede kritische Nachfrage resistent. Antigone macht nicht mit und meint die herrschende Macht sei zu weit gegangen und setze sich über Familienrecht und Götterspruch hinweg. Was für Antigone Gewissensnotwendigkeit ist, ist für Kreon Aufruhr und gefährlich in der instabilen Situation seines Staates. Keine der beiden Seiten kann zurück und so dreht sich die Spirale der Gewalt immer weiter. Am Ende gibt es nur Verlierer. Die Geschichte kennt viele ähnliche Konstellationen – bis heute.

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